The End of Time ist ein Dokumentar- oder vielmehr Essayfilm, der sich mit der Zeit beschäftigt. Was ist Zeit, wie ist sie wahrnehmbar? Leider dienen diese Fragen aber eigentlich nur als Aufhänger für fast willkürlich zusammengestellte Bilder von urbanen und Naturphänomenen oder zum Schluss psychedelisch abstrakten Formen. Dazwischen gibt es einige Worte von Menschen aus verschiedenen Kulturen, von Normalos, Aussteigern, Musikern, Buddhisten, CERN-Wissenschaftlern und Astronomen, die aber leider das Thema nur anreißen, ein Paar Ideen in den Raum werfen, wieder zu Bildern reiner Zeit überleiten. Da wird vom Urknall gesprochen, von Bewegung und Raum und weit entfernten Galaxien, deren Licht uns erst nach Jahrmillionen erreicht, davon, dass Zeit nicht greifbar ist, dass man im Moment leben sollte, die Zeit nutzen, die einem gegeben ist, von Vergänglichkeit. Die Bilder wiederum konzentrieren sich auf Bewegung, von Nebel- oder Lavamassen etwa, oder den Zustand von Verfall und Tod.
Nun bin ich glücklicherweise so gemacht, dass ich mir solche Bilder von purer Bewegung wahnsinnig gerne ansehe, die tatsächlich die Zeit bewusst machen, die Film in reinster Form sind, die assoziative Gedankengänge anstoßen. Gerade diese Lavaströme hätte ich mir ewig ansehen können – wunderschön zerstörerisch leuchtend und tot zugleich, faszinierend geformt und voranwalzend, alles Leben unter sich begrabend. Aber was genau soll das über Zeit aussagen? Gerade die Gespräche bleiben viel zu sehr an der Oberfläche. Da hat man die größten Wissenschaftler vor sich und entlockt ihnen gerade mal physikalische Banalitäten. Viel mehr als ich oben zusammengefasst habe, kommt wirklich nicht dabei heraus. Ein wenig fundiertere, interessantere Aussagen, die die Bilder besser einbetten, hätten dem Film sehr geholfen und womöglich sogar überaus Beeindruckendes ergeben können. Film kann ja nun mal Zeit illustrieren wie wahrscheinlich kein anderes Medium. So bietet der Film leider keinerlei Denkanstöße, inspiriert keine neuen Sichtweisen. Wenn ich da an die Offenbarung von Zeitlichkeit denke, die mir Cave of Forgotten Dreams vermittelte, oder die tolle Zeiterfahrung, die 2001 immer wieder darstellt, ohne die Zeit explizit in den Mittelpunkt zu stellen, ist das ein wenig enttäuschend.
Es braucht doch eine Weile, bis man sich im neuen Milieu, mit den neuen Konflikten und Figuren eingefunden hat, bis man sie kennengelernt hat und mitfühlen kann. Das ist einerseits spannend, da eine Herausforderung, man muss sich quasi jede Staffel neu mit der Serie vertraut machen, andererseits ist es aber auch ein kleines Hindernis, das es erst zu überwinden gilt. Ich muss auch sagen, dass mich diese Staffel erst mal nicht so gepackt hat. Die Geschichte um die Hafenarbeiter und sehr einseitig gezeichneten Gangster mit Migrationshintergrund erschien nicht so vielfältig, verläuft auch etwas geradliniger, es gibt natürlich Entwicklungen, aber doch nicht so berührende wie etwa bei D’Angelo in der ersten Staffel. Die Ermittlung selbst wird sehr routiniert dargestellt – klar, wir wissen jetzt ja, wie es abläuft, aber leider fehlt dadurch etwas der Pepp. Außerdem lernen wir die Polizisten schon ein bisschen besser kennen, ihre Eigenheiten und Probleme stehen aber weniger im Vordergrund (außer McNulty vielleicht, den ich ja sehr knuffig finde in seiner Unbeholfenheit und der Liebe zum Job – etwas, was ich von einer knallharten Copserie nie erwartet hätte). Und der Barksdale-Strang hängt zu Anfang noch recht lose neben der Haupthandlung herum. Besonders wenn Omar (was für eine großartige Figur!) seine Momente bekommt, wird einem doch bewusst, wie viel Spaß die erste Staffel gemacht hat.
Ich mag nun mal Filme, die man nicht so ganz verstehen kann. Denn Filme müssen keine Antwort geben. Lost Highway hat dabei eine ganz angenehme Stellung in David Lynchs Œuvre, finde ich. Der Gesamtfilm ist schwer zu deuten, den einzelnen Teilen lässt sich aber recht gut folgen. Anders gesagt: Er ist schon verrückt, aber doch nicht so sehr, dass man völlig perplex und unbefriedigt bleibt (was mir jedenfalls damals bei Mulholland Drive so ging). Es ist ein Film, der 1000 Assoziationen weckt (bei mir gestern besonders: 

Was für eine angenehme Serie! Das ist zwar ein seltsames Kompliment, aber ich bin wirklich begeistert, wie unaufgeregt, ja, entspannt hier Verbrechen wie Verbrechensbekämpfung, selbst Verfolgunsjagden dargestellt werden, wie bedächtig Handlungsstränge geführt werden, Charaktervorstellung geschieht, wie sauber die Geschichte erzählt wird. Der Hauptstrang, die Ermittlung, treibt das Geschehen voran, während daneben diverse Konflikte zwischen oder innerhalb Figuren verlaufen, die der Geschichte Fleisch, Menschlichkeit geben. Im Vergleich zum Reißerischen, der Ziellosigkeit anderer Serien ist das sehr angenehm und pragmatisch. So pragmatisch wie die Figuren, die wissen, was sie erreichen können, was sie dazu brauchen und welche Kompromisse sie eingehen müssen. Verbrecherjagd ist hier kein Action-Abenteuer, sondern kleinteilige Beweisfindungsarbeit, Bürokratie, Warterei auf Dächern, Machtspiele – und dennoch packend, weil man sich für die Figuren interessiert und mitfühlt und weil pro Folge genug neue offene Häppchen serviert werden, ohne dass auf plumpe Cliffhanger zurückgegriffen werden muss.
Wo soll ich anfangen?