The End of Time (Peter Mettler, 2012)

TheEndofTime1The End of Time ist ein Dokumentar- oder vielmehr Essayfilm, der sich mit der Zeit beschäftigt. Was ist Zeit, wie ist sie wahrnehmbar? Leider dienen diese Fragen aber eigentlich nur als Aufhänger für fast willkürlich zusammengestellte Bilder von urbanen und Naturphänomenen oder zum Schluss psychedelisch abstrakten Formen. Dazwischen gibt es einige Worte von Menschen aus verschiedenen Kulturen, von Normalos, Aussteigern, Musikern, Buddhisten, CERN-Wissenschaftlern und Astronomen, die aber leider das Thema nur anreißen, ein Paar Ideen in den Raum werfen, wieder zu Bildern reiner Zeit überleiten. Da wird vom Urknall gesprochen, von Bewegung und Raum und weit entfernten Galaxien, deren Licht uns erst nach Jahrmillionen erreicht, davon, dass Zeit nicht greifbar ist, dass man im Moment leben sollte, die Zeit nutzen, die einem gegeben ist, von Vergänglichkeit. Die Bilder wiederum konzentrieren sich auf Bewegung, von Nebel- oder Lavamassen etwa, oder den Zustand von Verfall und Tod.

Nun bin ich glücklicherweise so gemacht, dass ich mir solche Bilder von purer Bewegung wahnsinnig gerne ansehe, die tatsächlich die Zeit bewusst machen, die Film in reinster Form sind, die assoziative Gedankengänge anstoßen. Gerade diese Lavaströme hätte ich mir ewig ansehen können – wunderschön zerstörerisch leuchtend und tot zugleich, faszinierend geformt und voranwalzend, alles Leben unter sich begrabend. Aber was genau soll das über Zeit aussagen? Gerade die Gespräche bleiben viel zu sehr an der Oberfläche. Da hat man die größten Wissenschaftler vor sich und entlockt ihnen gerade mal physikalische Banalitäten. Viel mehr als ich oben zusammengefasst habe, kommt wirklich nicht dabei heraus. Ein wenig fundiertere, interessantere Aussagen, die die Bilder besser einbetten, hätten dem Film sehr geholfen und womöglich sogar überaus Beeindruckendes ergeben können. Film kann ja nun mal Zeit illustrieren wie wahrscheinlich kein anderes Medium. So bietet der Film leider keinerlei Denkanstöße, inspiriert keine neuen Sichtweisen. Wenn ich da an die Offenbarung von Zeitlichkeit denke, die mir Cave of Forgotten Dreams vermittelte, oder die tolle Zeiterfahrung, die 2001 immer wieder darstellt, ohne die Zeit explizit in den Mittelpunkt zu stellen, ist das ein wenig enttäuschend.

Kategorien: Ästhetik, Film, Philosophie | Schlagwörter: , | Kommentar hinterlassen

31 Tage – 31 Filme: Tag 31 und Fazit

Tag 31 – Welchen Film wirst du als Nächstes sehen?

Wahrscheinlich morgen The End of Time im Kino. Philosophische Dokumentationen mag ich am liebsten, wenn man das Gefühl bekommt, auf einen Teil des Lebens mit wirklich ganz neuen Augen blicken zu können.

Fazit:

Es hat sich zwar jetzt recht gezogen, ich bin aber trotzdem froh, das Riesenstöckchen gemacht zu haben, vor allem auch mit größeren Zeitabständen zwischen den Antworten. Ob es für euch interessant war, weiß ich natürlich nicht, aber ich finde es schön, dass ich dadurch sehr vieles vorstellen konnte, was mir in Bezug auf Filme wichtig ist, nicht nur besondere Filme, sondern auch meine generellen Vorlieben und vielleicht auch Abneigungen. Ich hoffe, ich konnte dem Blog dadurch noch etwas mehr Persönlichkeit geben und bin als Filmliebhaberin greifbarer geworden.

Falls sich jemand vielleicht gerade aus diesem Grund doch noch entschließt, mein Stöckchen mitzunehmen, der gebe mir doch bitte Bescheid.

Kategorien: Film, Geplauder | Schlagwörter: , , | 2 Kommentare

Media Monday #37

1. Heath Ledger gefiel mir – abgesehen von The Dark Knight – am besten in Brokeback Mountain – um genau zu sein gefiel er mir darin sogar besser.

2. Danny Boyle hat mit Sunshine seine beste Regiearbeit abgelegt, weil es ein wunderschöner, großer, spannender, bewegender Film ist, der von Selbstaufopferung erzählt. Zum Schluss gerät er etwas auf die falsche Fährte, aber das trübte den Gesamteindruck für mich nicht. An dem scheiden sich jedoch so sehr die Geister wie an The Fountain, den ich ja auch sehr liebe. Philosophische Science-Fiction-Filme sind halt mein Ding. Allerdings muss ich endlich mal wieder Trainspotting sehen, an den ich mich kaum erinnere.

3. Cameron Diaz gefiel mir am besten in Gangs of New York vielleicht, aber eigentlich kann ich ihr generell nichts abgewinnen.

4. Hätte ich die Möglichkeit, einen Film zu drehen, würde ich auf alle Fälle folgende SchauspielerInnen verpflichten (und sei es nur, um sie einmal kennenzulernen):
Hier ist man versucht, einfach seine LieblingsschauspielerInnen aufzulisten, aber dabei sollte schon bedacht werden, dass sie vielleicht gar nicht unbedingt harmonieren würden. Ich weiß nicht, was das für ein Film sein könnte, in dem Joaquin Phoenix, Michael Fassbender und Ben Foster gleichermaßen brillieren würden. Und dann noch Kate Winslet, Judi Dench, Tilda Swinton, Cate Blanchett und Amy Adams dazu? Und was für eine Rolle sollte Kevin Spacey in dem Reigen spielen? Ach nein, ich glaube, Castingentscheidungen überlasse ich lieber anderen und rege mich dann lediglich darüber auf. In der Regel kommt ja auch erst das Projekt, die Rolle, dann der Schauspieler. Allerdings würde ich sehr, sehr gerne mal Nina Hoss und André Hennicke in einer großen internationalen Produktion unter einem Meisterregisseur sehen. Das wäre wundervoll. Kennenlernen muss ich jedoch keinen von denen. Das würde womöglich nur meine Vorstellung zerstören.

5. Wenn es ein Genre gibt, dem ich rein gar nichts abgewinnen kann, dann ist es das eine Pauschalisierung!

6. Spoiler in Trailern sollten nicht sein, allerdings finde ich Trailer, die nur Stimmungsbilder aneinanderreihen, auch etwas sinnlos.

7. Mein zuletzt gesehener Film war Suspicion und der war okay, weil mich einerseits diese Ausgangssituation etwas nervte, dass sie ihn sofort heiratet und sich hinterher wundert, dass er so ein Hallodri ist. Aber dieser titelgebende Verdacht wird schon mustergültig entwickelt. Und dann leuchtet die Milch auch noch.

von Medienjournal

Kategorien: Geplauder, Media Monday | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Media Monday #36

1. Christopher Lee gefiel mir am besten in Tim Burtons Filmen, weil ich diese Fanhaltung des Regisseurs einfach schön finde.

2. David Cronenberg hat mit A History of Violence seine beste Regiearbeit abgelegt, weil es so ein verdammt kluger, weitsichtiger Film ist. Am meisten assoziiere ich aber Naked Lunch mit ihm.

3. Tilda Swinton gefiel mir am besten in Orlando, aber eigentlich immer. Sie ist ja nicht von dieser Welt.

4. Zu einem guten Film ist bei diesem schönen Wetter Picknick und Lektüre auf Wiese mit Blick auf Schwarzwaldhügel die beste Alternative, denn aber das mache ich ja nicht abends, also besteht gar keine Konkurrenz.

5. Den tragischsten Serientod ist jemand in Six Feet Under gestorben, weil bei dieser originellen Vielfalt an Toden einer tragischer ist als der andere. Aber es wird schon auch unter den Hauptfiguren gestorben und das ist dann, ach, so schlimm!

6. Ich würde mir wünschen, dass mal jemand einen Historienfilm dreht, der sich mit der Aufklärung befasst. Na ja, spontane Antwort, eigentlich habe ich da keine konkreten Bedürfnisse. Aber ein Historienfilm, der epochenübergreifend von einem Thema erzählt, wäre doch mal interessant, der mehr Wert auf Inhalte statt die Ausstattung legt.

7. Meine zuletzt gesehene Serienstaffel war Parade’s End und die war tadellos ausgestattet und gemacht, weil man das wohl erwarten kann, wenn sich BBC und HBO zusammentun. Ansonsten war es vor allem von Rebecca Hall sehr gut gespielt und auf der Charakterebene bisweilen ganz interessant, aber im Ganzen doch recht gediegen, gemächlich, und das Thema der Liebe, die ob der Konventionen der Zeit nicht sein darf, und daraus resultierender schmerzhafter Sehnsucht ist etwas, was ich langsam nicht mehr unbedingt sehen muss.

von Medienjournal

Kategorien: Geplauder, Media Monday | Schlagwörter: , , , , , , , | 6 Kommentare

The Wire – Staffel 2 (HBO, 2003)

TheWireSeason21Es braucht doch eine Weile, bis man sich im neuen Milieu, mit den neuen Konflikten und Figuren eingefunden hat, bis man sie kennengelernt hat und mitfühlen kann. Das ist einerseits spannend, da eine Herausforderung, man muss sich quasi jede Staffel neu mit der Serie vertraut machen, andererseits ist es aber auch ein kleines Hindernis, das es erst zu überwinden gilt. Ich muss auch sagen, dass mich diese Staffel erst mal nicht so gepackt hat. Die Geschichte um die Hafenarbeiter und sehr einseitig gezeichneten Gangster mit Migrationshintergrund erschien nicht so vielfältig, verläuft auch etwas geradliniger, es gibt natürlich Entwicklungen, aber doch nicht so berührende wie etwa bei D’Angelo in der ersten Staffel. Die Ermittlung selbst wird sehr routiniert dargestellt – klar, wir wissen jetzt ja, wie es abläuft, aber leider fehlt dadurch etwas der Pepp. Außerdem lernen wir die Polizisten schon ein bisschen besser kennen, ihre Eigenheiten und Probleme stehen aber weniger im Vordergrund (außer McNulty vielleicht, den ich ja sehr knuffig finde in seiner Unbeholfenheit und der Liebe zum Job – etwas, was ich von einer knallharten Copserie nie erwartet hätte). Und der Barksdale-Strang hängt zu Anfang noch recht lose neben der Haupthandlung herum. Besonders wenn Omar (was für eine großartige Figur!) seine Momente bekommt, wird einem doch bewusst, wie viel Spaß die erste Staffel gemacht hat.

Aber: Der Blick auf das Drogengeschäft Baltimores weitet sich tatsächlich, es IST ein interessantes neues Puzzlestück, das dann doch zum Glück auch irgendwie an den Barksdale-Fall anschließt, der dabei eine spannende neue Richtung einschlägt, die bestimmt einiges an Konflikten bereithält. Wie sich der Fall von einem Container voller toter Frauen ausgehend auffächert, ist faszinierend, wenn man betrachtet, mit was für einem breiten Einblick man zum Schluss der Staffel dasteht. Und es ist interessant, ein anderes Milieu kennenzulernen, eines, das nicht nur Vollzeitverbrecher beherbergt, sondern eigentlich normale, arbeitende Bürger, die nur ihr eigenes Leben und das der direkten Mitmenschen verbessern möchten, ja, müssen. Es ist wieder eine Frage des Kompromisses. Und auch hier laufen Gestalten herum, die zwar schon mal nerven können, aber durchaus originell sind, deren Schicksal zu Herzen geht. Nur die Obergangster dieser Geschichte sind vielleicht doch ein klein wenig zu typisch mafiosihaft gezeichnet. Es ist jedenfalls immer wieder erschreckend, wie selbstverständlich generell verbrecherischen Tätigkeiten nachgegangen wird. Alles unter Mord ist fast schon eine Lappalie, da die Polizei es sowieso nicht schafft, allem nachzugehen – sofern sie sich denn überhaupt tatsächlich dafür interessiert, die Straßen sicherer zu machen, statt irgendwelche privaten Fehden auszutragen. Es ist ein ernüchterndes Bild des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten, dessen Prämissen und Grenzen auch immer wieder mal explizit oder implizit reflektiert werden.

Beeindruckend sind außerdem wieder so einige Einleitungen (also der Teil vor dem Vorspann), einige denkwürdige Sprüche, und generell ist das Tempo abermals sehr angenehm, ebenso wie der Fokus, der auf Gesprächen liegt statt den tatsächlichen Handlungen, die oft im Off stattfinden.

Für die dritte Staffel erhoffe ich mir nun jedoch wieder ein paar aufregendere Ideen in Bezug auf die Ermittlungen und das Privatleben der Polizisten. Aber da bin ich ganz zuversichtlich.

Kategorien: Gesellschaftlich, Serie | Schlagwörter: , | 2 Kommentare

Wiedersehensfreude: Lost Highway (David Lynch, 1997)

losthighwayoriginalIch mag nun mal Filme, die man nicht so ganz verstehen kann. Denn Filme müssen keine Antwort geben. Lost Highway hat dabei eine ganz angenehme Stellung in David Lynchs Œuvre, finde ich. Der Gesamtfilm ist schwer zu deuten, den einzelnen Teilen lässt sich aber recht gut folgen. Anders gesagt: Er ist schon verrückt, aber doch nicht so sehr, dass man völlig perplex und unbefriedigt bleibt (was mir jedenfalls damals bei Mulholland Drive so ging). Es ist ein Film, der 1000 Assoziationen weckt (bei mir gestern besonders: Caché und Hotel), der mit Genres, Anspielungen und Stimmungen jongliert und sie trotz unerwarteten Sprüngen zu einem überzeugenden Ganzen vereint. Er pendelt zwischen Ekstase und kühler Distanz, stellt volle, sinnliche Farben neben klare Geometrie. Die Bilder sind betörend-hypnotisch, so stark, dass sie durch Mark und Bein gehen. Ob man die Handlung nun versteht oder nicht, diese wahnsinnige Kraft der Bilder bleibt und hält gefangen. Außerdem beweist Lynch hier besonders seine Meisterschaft, mit Hilfe von Musik oder nur unheimlichem Rauschen Stimmung zu manipulieren. Ich wusste gar nicht mehr, wie gruselig dieser Film auch ist.

Aber was hat das alles zu bedeuten? Im Moment denke ich Folgendes: Irgendwie geht es doch darum, die Frau zu besitzen. Es sind also Variationen eines Themas, einer Frau, einer Begierde, verschiedene Versuche, die Frau zu binden, aber alle scheitern. Schön finde ich dabei, wie sehr Patricia Arquette abstrakt bleibt als Femme Fatale, reines Prinzip als Objekt männlichen Verlangens und Blicks (Laura Mulvey lässt grüßen), aber trotzdem die Macht behält, weil sie durch ihr Auftreten manipulieren kann (obwohl sie dafür auch mal ihr Leben lassen muss). Der “Mystery Man” ist dabei so etwas wie ein Erfüller von Wünschen, von denen man selbst noch gar nichts weiß, eindeutig an Mephistopheles angelehnt. Man kann sicherlich noch sehr viel mehr und anderes herauslesen, aber es ist auch ein Film, dessen Bedeutung man nicht festschreiben muss, weil er nur um sich selbst kreist (wie der Plot), eigentlich doch ästhetizistisch ist.

Lost Highway ist grandioser surrealer, postmoderner Filmgenuss und daher eindeutig zu Recht in meiner Lieblingsfilmliste. “This is some spooky shit we got here.”

Kategorien: Ästhetik, Film, Projekte, Wiedersehensfreude | Schlagwörter: , , , | 2 Kommentare

31 Tage – 31 Filme: Tag 30

Tag 30 – Welchen Film erwartest du in Zukunft am meisten?

Wie gut, dass ich diese Frage so lange hinausgezögert habe, da in den letzten Tagen nämlich erst die perfekte Antwort reinkam: Macbeth (tatsächlicher Titel noch ungewiss). Justin Kurzel will Shakespeares Stoff neu verfilmen, und für die Titelrolle ist kein geringerer als Michael Fassbender vorgesehen. Das ist eine Kombination, von der man vielleicht träumt, aber doch nicht glaubt, dass sie je umgesetzt wird. Lasst mich etwas ausholen:

Shakespeare zählt definitiv zu meinen Lieblingsautoren und  hat seinen Ruf verdient. Kein anderer (den ich kenne) hat menschliche Grundthemen auf so absolute Weise behandelt, noch dazu in unvergleichlich bilderreicher Sprache. Seine Dramen gelten außerdem als sehr filmisch, allein durch ihre schieren Ausmaße, die großen Ort- und Zeitsprünge, Verästelung von Haupt- und Nebenhandlungen, Verbindung von psychologisch genauer Charakterisierung und Kampf-, Massen- oder fantastischen Szenen. Es muss gar nicht viel geändert werden, um bereits ein verfilmungstaugliches Drehbuch vor sich zu haben. Dennoch bieten die Dramen durch ihre Verallgemeinerbarkeit auch sehr viel Freiraum für individuelle Gestaltung, Interpretation, Verschiebung in andere Zeiten, Orte, Situationen. Es hat Gründe, dass so viele völlig unterschiedliche, dennoch funktionierende Verfilmungen existieren.

Zwar geht mir nichts über Hamlet, Macbeth ist dennoch ein überaus faszinierendes Porträt von Vorsehung, Machtgier, Manipulation, Besessenheit, Schuld und schließlich Wahnsinn, ungemein kraftvoll, brutal und in den einzelnen Szenen natürlich wunderschön, sehr privat und trotzdem politisch, nicht ohne weitreichende Folgen und große Schlacht. Leider habe ich noch keine Verfilmung in Gänze gesehen, nicht mal die von Welles und Polanski und auch immer noch nicht die mit McKellen und Dench, aber das werde ich definitiv vor dem neuen Film noch nachholen. Macbeth und auch Lady Macbeth zu spielen ist jedenfalls schon eine besondere Herausforderung, und wenn ich mir das Bild, das von Macbeth in meinem Kopf geblieben ist, ansehe, dann passt Michael Fassbender tatsächlich wie die Faust aufs Auge: jeweils ein bisschen von Bobby Sands, Rochester, Magneto und Brandon Sullivan und wir haben einen wundervoll verbissenen Macbeth voller Selbstzweifel und Gewissensbisse – perfekt! Fassy ist mit seiner Intensität wirklich wie gemacht für Shakespeare. Ob Natalie Portman, die Lady Macbeth spielen soll, für den machtgeilen, antreibenden Teil besonders gut geeignet ist, weiß ich nicht so recht, dass sie jedoch formvollendet in Wahnsinn abdriften kann, hat sie ja hinreichend in Black Swan bewiesen. Und wenn man sich Justin Kurzels ersten Film Snowtown betrachtet, verspricht das ein rohes, blutiges, misanthropisches, abgründiges Vergnügen zu werden. Genau so muss Macbeth sein, finde ich.

Wenn sich zwei der allerliebsten Künstler, die bisher auf dieser Erde wandelten, zusammentun, dann ist das schon etwas ganz Besonderes, eine Potenzierung des Genusses, sie werten sich gegenseitig auf. Ein Lieblingsschauspieler in einer der großartigsten, herausfordernsten Rollen überhaupt, Michael Fassbender als Macbeth – wie ein wahr gewordener Traum. Die Vorfreude lässt sich nicht in Worte fassen.

My hands are of your colour, but I shame
To wear a heart so white.

Kategorien: Film, Geplauder | Schlagwörter: , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Monatsrückblick 04/2013

Wenige Filme gesehen, wenig gebloggt, und auch dieser Monatsrückblick fällt sehr einfallslos aus. Keine Ahnung, was los war. Jedenfalls bin ich in Hitchcocks amerikanischen Jahren angelangt (langsam wird es aber schwer, manche Themen kann ich einfach nicht mehr sehen) und habe mit The Secret of Kells, Oslo, 31. august und der ersten Staffel von The Wire drei definitive Jahreshighlights gesehen.

  • gesehene Filme: 14
  • im Kino: 3
  • Erstsichtungen: 13 (wobei ich mir bei Rebecca nicht sicher bin, wie auch bei vielen späteren Hitchcock-Filmen)

TheSecretofKellsSnap2

Erwähnenswert waren:

  • The Secret of Kells (Das Geheimnis von Kells – Tomm Moore / Nora Twomey, 2009): Selbst auf meinem kleinen Fernseher hat mich diese Formen-, Farben- und Bewegungsvielfalt dermaßen gebannt und überwältigt, dass ich einige Pausen einlegen musste, um diese Fülle an Details und Eindrücken sacken zu lassen. Eine berührende Geschichte über einen irischen Jungen und ein Buch, über Fantasie, Magie, Freundschaft, Ängste und das Böse, die die volle Ausdruckskraft der Bilder nutzt, Motive in abstrakte, aber komplexe und andeutungsreiche Formen herunterbricht und in jedem Einzelbild Kunstwerk zum Bestaunen ist. Wow.
  • The Messenger (Oren Moverman, 2009): Diese Konzentration auf die Mikro-Auswirkungen von Krieg, auf den Einzelnen (auch den, der sich gar nicht beteiligt), finde ich immer noch sehr erstaunlich. Es ist ein so persönlicher Film, der nicht mit dem Zaunpfahl eine pazifistische Botschaft verkündet, aber im Kleinen doch aus einem ganz neuen Blickwinkel auf Krieg blicken lässt. Und Ben Foster ist punktgenau.
  • Oslo, 31. august (Joachim Trier, 2011): Es ist das Porträt einer Generation, deren hohe Erwartungen an das Leben, an das Glück nicht erfüllt werden können, die Kultur intellektuell zu ergründen, aber den Alltag, die praktischen Dinge des Lebens nicht zu bewältigen weiß. Der Film macht das durch feine Beobachtungen menschlicher Momente deutlich, nicht nur der überzeugend verloren gespielten Hauptfigur, sondern vor allem auch der episodenhaft auftauchenden Nebenfiguren und sogar der Statisten. Besonders die Dialoge sind wunderbar austariert.
  • Down to the Bone (Debra Granik, 2004): Ich mag diese Filme, die das andere Amerika zeigen. Sie sind so erfrischend handfest und vorstellbar. Debra Granik zeigt hier Drogenabhängigkeit als Alltäglichkeit, nicht ohne Dramatik, aber vor allem durch Vera Farmiga immer geerdet.
  • Der Schatz (Georg Wilhelm Pabst, 1923): Am Anfang etwas gemächlich, später dann aber ein richtig spannender Stummfilm über die zerstörende Macht der Gier.
  • Rampart (Oren Moverman, 2011): Ein erstaunlich ambivalenter Film ohne Lösungsansatz mit erstaunlich ambivalenten Charakteren, deren Motive und Ziele sich teilweise kaum einordnen lassen. Gerade deswegen bleibe ich dennoch etwas unschlüssig. Woody Harrelson habe ich allerdings noch nie so nuanciert gesehen, glaube ich, und Ben Fosters kleine Rolle zeigt eine neue Facette seines Könnens.
  • Rebecca (Alfred Hitchcock, 1940): Währenddessen habe ich mich zwar über schmalzige Musik und Dialoge beschwert (so wie man sie eben kennt aus Melodramen jener Zeit), im Nachhinein muss ich aber doch die interessante Geschichte und atmosphärischen Bilder loben. Es ist ein ungewöhnlicher Hitchcock-Film, aber vielleicht gerade deswegen interessant und vorausweisend.
  • Ginger & Rosa (Sally Potter, 2012): Alle 60er-Jahre-Anti-Themen liegen in Trümmern, wenn es um das Persönliche geht. Da stehen abstrakte Prinzipien hinten an. Ansonsten fand ich den Film aber schwer greifbar, Elle Fanning zwar sehr überzeugend, ihr Gesicht aber ein bisschen zu oft in Großaufnahme.
  • Your Sister’s Sister (Lynn Shelton, 2011): Sehr authentische Gespräche (im Gegensatz leider zu den zahlreichen aufeinandertreffenden Konflikten).

Topofthelake1

Serie:

  • The Wire – Staffel 1 (HBO, 2002)
  • Top of the Lake (BBC Two / Sundance Channel / UKTV, 2013): Obwohl mich einiges stört an dieser Miniserie von Jane Campion (v.a. die absolute Allgegenwart männlicher Gewalt und einige Klischees), konnte ich mich dem Sog der archaischen Atmosphäre doch nicht entziehen. Es ist denn auch weniger Krimi als Drama, Charakterentblößung, Hervorzerren von Verborgenem, keiner ist verschont von Traumata. Das wirkt vielleicht nur deswegen authentisch, weil es so urwüchsig verankert scheint in dieser grandiosen, Unterschlupf bietenden, aber auch gänzlich mitleidlosen neuseeländischen Landschaft. Der Vorspann ist wunderschön und Peter Mullan wie immer eine Wucht mit seiner Kombination aus gütigem Gesicht und unberechenbarer Aggressivität.
Kategorien: Geplauder, Rückblick | Schlagwörter: , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

The Wire – Staffel 1 (HBO, 2002)

TheWireSeason11Was für eine angenehme Serie! Das ist zwar ein seltsames Kompliment, aber ich bin wirklich begeistert, wie unaufgeregt, ja, entspannt hier Verbrechen wie Verbrechensbekämpfung, selbst Verfolgunsjagden dargestellt werden, wie bedächtig Handlungsstränge geführt werden, Charaktervorstellung geschieht, wie sauber die Geschichte erzählt wird. Der Hauptstrang, die Ermittlung, treibt das Geschehen voran, während daneben diverse Konflikte zwischen oder innerhalb Figuren verlaufen, die der Geschichte Fleisch, Menschlichkeit geben. Im Vergleich zum Reißerischen, der Ziellosigkeit anderer Serien ist das sehr angenehm und pragmatisch. So pragmatisch wie die Figuren, die wissen, was sie erreichen können, was sie dazu brauchen und welche Kompromisse sie eingehen müssen. Verbrecherjagd ist hier kein Action-Abenteuer, sondern kleinteilige Beweisfindungsarbeit, Bürokratie, Warterei auf Dächern, Machtspiele – und dennoch packend, weil man sich für die Figuren interessiert und mitfühlt und weil pro Folge genug neue offene Häppchen serviert werden, ohne dass auf plumpe Cliffhanger zurückgegriffen werden muss.

Besonders gefällt mir, wie diese Serienwelt aufgebaut wird. Es gibt schon zwei klare Pole von Gut (Jimmy McNulty) und Böse (Avon Barksdale – toller Name übrigens), als Rahmen quasi, doch dazwischen sehr viel Grauzone: brutale oder karrieregeile Polizisten, Mörder und Drogendealer mit Gewissen oder sogar ganz eigener Moral, Drogenabhängige, die aufhören wollen, aber doch wissen, dass es vergebens ist. Die Situation in diesem Baltimore an sich scheint auswegslos. Verschwindet ein Dealer, wird er gleich durch einen anderen ersetzt. Dennoch gibt es auch einen subtilen humanistischen Ton. Die Welt ist schlecht, der Einzelne muss es nicht sein. Diese Menschlichkeit wird in den vielen ruhigen, auch alltäglichen Gesprächen transportiert, die allerdings auch leider mal ein bisschen  zu hochtrabende Predigten über Polizisten- und Verbrechertum an sich enthalten können (aber wirklich nur ein bisschen). Auch über die eine oder andere sehr typische Figurenentwicklung kann man schon hinwegsehen – vor allem, da man weiß, dass in den nächsten Staffeln sicher noch sehr viel zur Komplexität der Figuren beigetragen wird. Staffel 1 ist eine ordentliche Einleitung, die in die Welt der Serie und ihre Philosophien einführt, die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der Arbeit auf beiden Seiten absteckt und Entwicklungs- und Enthüllungspotenzial andeutet. Sie wirkt tatsächlich wie eine Schlacht, die (unbefriedigend) gewonnen wird, der Krieg aber geht weiter. Das Gefühl, dass hier an etwas Großem gearbeitet wird, ist stets präsent. Die Staffel hat eine relativ abgeschlossene Handlung, könnte für sich stehen, aber trotzdem weiß man, dass es da noch sehr viel zu erzählen gibt von den Untiefen dieses Verbrechersumpfs Baltimore. Ich bin so gespannt, wie das nächste Puzzleteil aussieht, vorhersehbar ist da nämlich nichts.

Kategorien: Gesellschaftlich, Serie | Schlagwörter: , , | 2 Kommentare

31 Tage – 31 Filme: Tag 29

Tag 29 – Welchen Film wolltest du schon immer sehen, bist aber bisher nie dazu gekommen?

prosperosbooks1Wo soll ich anfangen?

Glücklicherweise konnte ich schon einen guten Teil der filmhistorisch wichtigsten Leindwandwerke begutachten, aber es gibt da doch einige, die mir bisher immer entgangen sind, z.B. The Birth of a Nation (vielleicht auch Intolerance, ich weiß es nicht mehr), die Mabuse-Filme, L’Atalante, Tôkyô monogatari (Die Reise nach Tokio), Shichinin no samurai (Die sieben Samurai), Touch of Evil, La jetée, Eraserhead, Raging Bull und The King of Comedy, Idi i smotri (Komm und sieh – wobei ich mir auch hier nicht sicher bin, ob ich ihn schon gesehen habe), Naked, Crash (1996), uvm. Dann wäre da noch eine Reihe Shakespeare-Verfilmungen, vor allem Macbeth von Welles und Polanski, und die Inszenierung mit Ian McKellen und Judi Dench MUSS ich gesehen haben. Und dann hat sich tatsächlich noch nie eine Sichtung von The Hurt Locker ergeben. Fragt mich nicht, warum, es KANN nicht meine Schuld sein.

Besonders schmerzhaft sind aber die ungesehenen Filme der Lieblingsregisseure: Prospero’s Books und vier von Tarkowskij, insbesondere Solaris, auf den ich sehr gespannt bin, da ich die Buchvorlage damals sehr mochte. Von Haneke, Kim Ki-duk und Peckinpah kenne ich auch noch längst nicht alles. Oh, und ein großes Herzensprojekt ist es, mich mal intensiv mit den Stop-Motion-Filmen von Jan Švankmajer und den Brüdern Quay zu beschäftigen. Fragt sich nur, ob an diese denn zu gelangen ist (wobei ich da nicht allzu wählerisch bin, muss ich mal zugeben).

Aber mein gigantisches Werkschau-Projekt ist ja schon im Gange und wird diesen untragbaren Zustand nach und nach beseitigen. Von den hier erwähnten Filmen ist jedenfalls als Nächstes Prospero’s Books dran. Ich zögere nur schon so lange, weil ich The Tempest nicht gelesen habe (und dieses Jahr auch nicht mehr lesen werde) und dadurch wahrscheinlich nicht alle Feinheiten erkennen werde. Aber es ist ja zum Glück nicht so, dass man einen Film nur einmal sehen kann (in der Regel), also wage ich es jetzt einfach.

Kategorien: Film, Geplauder | Schlagwörter: , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen