Wenn es um Schauspieler geht, bin ich fast noch ein kleines Mädchen. Denn ich bin in der Lage, einen Schauspieler absolut zu vergöttern. Doch nicht die Optik gibt hier den Ausschlag, sondern die Intensität des Spiels. Dabei bin ich kein Freund von Rumgeschrei und Ausrastern, ich bevorzuge die subtile Intensität, den abgründigen Ausdruck der Augen, die Bände sprechende Haltung, die vielsagende Bewegung. Ein Schauspieler gelangt in mein Cineastenherz, wenn er nur das Nötigste zu tun braucht und doch weit mehr als das Naturalistische vollbringt. Paradox, ja, und doch bin ich Fan vieler Schauspieler. Den Zutritt zu der Kammer in meinem Herzen, die von jenen bevölkert ist, für die ich jeden Film sofort im Kino sehen würde, ganz gleich, wie uninteressant, erhalten dennoch nur sehr wenige. Kevin Spacey gehört dazu, Joaquin Phoenix (mein einstiger Jugendschwarm), und wenn sie noch leben würden: James Dean und Marlon Brando. (Ben Foster und Kate Winslet stehen gerade am Eingang rum.)

Und seit Fish Tank oder spätestens X-Men: First Class auch Michael Fassbender. Wobei ich ausdrücklich betonen möchte, dass ich ihn schon seit April 2010 (als ich Hunger sah) auf dem Schirm habe und somit nicht auf den Hype-Zug aufgesprungen bin, der erst letztes Jahr angestoßen wurde (so wie ich Ryan Gosling auch nicht erst seit Drive im Auge habe). Es ist ein bisschen schade, dass er erst jetzt mit Mitte 30 den Durchbruch schafft, doch wenn man sich sein früheres Schaffen und Gesicht ansieht, dann ist es wohl doch nun genau der richtige Zeitpunkt. Und wie schnell es doch plötzlich ging: Fast wie aus dem Nichts erschien er vor einiger Zeit auf der Leinwand, wertete binnen kürzester Zeit nicht wenige große Produktionen auf, brachte die Kritiker zum Jubeln und erhielt eben Zutritt zu jener besonders gehüteten Kammer in meinem Herzen. Wie konnte das nur geschehen? Plötzlich war er da, dieser deutsche Ire und ist schon nicht mehr wegzudenken, in seiner melancholisch-sehnsüchtig-aggressiven Aura einzigartig für mich. Und so gut – Mannomann, was für ein Kerl. Für Arthouse und Actionkino tauglich, das findet man nicht oft.

Wie merkwürdig, dass er mir in Band of Brothers, Angel und Inglourious Basterds (die ich vor oder kurz nach Hunger sah) nicht auffiel (bei 300 wundert es mich allerdings nicht). Aber ich glaube, seine Kunst ist fast zu subtil, um im Ensemble hervorzustechen. Aber das macht nichts, jetzt weiß ich ja, worauf ich achten muss. Er wirkt doch immer irgendwie wie ein Einzelkämpfer, mit einer Aura der Verlorenheit, die ihn wie aus einer anderen Welt erscheinen lässt.
Ja, wie ich schon in meiner Besprechung von Shame schrieb: Ich empfinde Michael Fassbender als Geschenk an mich persönlich. Er inkarniert das Beste meiner bereits verstorbenen Lieblingsschauspieler, deren (teils ja extrem kurze) Karrieren ich nicht miterleben konnte: Die sehnsüchtig-rebellische Verletzlichkeit von James Dean und die undurchaubar-aggressive Abgründigkeit von Marlon Brando – mit ähnlich durchdringenden Augen wie denen von Joaquin Phoenix. Und zusätzlich gelingt ihm nach Bedarf auch noch Beherrschung und Verspieltheit, Leichtigkeit und Konzentration, zielstrebige Verbissenheit. Er ist der Monolith in jedem Film, so ausdrucksstark und getrieben, leidenschaftlich seiner Rolle ergeben, uneitel bereit, sich der Kunst zu opfern. Mit diesem Willen, dieser Hingabe, dieser Kraft, dieser Bedingungslosigkeit, dieser Anpassungsfähigkeit ohne das Profil zu verlieren, dieser subtilen Exaktheit, die man eben nur ganz selten bei einem Schauspieler findet.

Und er macht alles richtig: Seine Rollenwahl ist vorbildlich (seit 2011 zumindest – aber, selbst wenn Filme wie Town Creek oder Jonah Hex die Filmographie nicht aufwerten, ist es doch eine Leistung, Rollen darin ergattert zu haben). Er sammelt Referenzregisseure, lässt sich auf keine Budgetgröße, kein Genre, keinen Figurentyp, bestenfalls auf Abgründigkeit und Komplexität festlegen und hat sogar schon einen seelenverwandten Regisseur gefunden, der auch noch ein wahrer Künstler ist, was ihm viele großartige zukünftige Rollen sichert. Und er dreht momentan gefühlt am laufenden Band, macht sich also unübersehbar.
Was kann da noch schief gehen? Leider viel zu viel. Ich denke da an einstige große Schauspieltalente, deren Rollenwahl irgendwann fragwürdig wurde oder die sich einfach rar gemacht haben (z.B. Scarlett Johansson, Edward Norton). Aber ich vertraue Michael Fassbender. Er ist Ire, er packt das schon (tja, ich habe eine irrationale Schwäche für die grüne Insel). Und aus seinen ernsteren Interviews ist herauszuhören, dass er in der Lage ist, sich Gedanken zu machen, dass er etwas versteht vom Film (ich fürchte, bei vielen Schauspielern dreht sich alles nur sehr oberflächlich um die eigene Leistung), dass er tatsächlich vor allem die Herausforderung sucht, nicht den Ruhm. Wie großartig es wäre, wenn er seinen Wunsch umsetzen könnte, mal in einem deutschen Film zu spielen. Ich empfehle Christian Petzold!

Ach so: Zu Anfang habe ich das ganz ehrlich nicht gesehen, neben seiner Leistung, ist er doch ehrlich gesagt nicht mein Typ, aber mittlerweile muss ich zugeben: Wunderschön ist er auch. Mit einem dieser seltenen Gesichter, die von ganz alleine einen Ausdruck tragen, mit solch traurigen Augen, die keine Hoffnung in der Welt zu sehen scheinen, die ich an Männern so mag. Sein Gesicht ist wie ein Buch, das man lesen, deuten, erfühlen kann (man sehe sich mal Fotos oder nur die Stills hier an). Und er ist sogar ein bisschen rothaarig, oder?

Ja, Fassbender ist wirklich toll. Ich möchte mich zwar nicht zum Thema “Wunderschön” äußern
aber ansonsten kann ich dir nur zustimmen. Und ich finde auch seine Rollen in etwas grenzwertigeren Filmen wie beispielsweise “Jonah Hex” immer noch erwähnenswert, weil er diese Filme dann immer noch ein wenig sehenswert macht.
Ja, ein Hingucker ist er wirklich in jedem Film. Die Optik kann seiner Karriere auch nur guttun (selbst wenn sie eher was für’s weibliche Publikum ist
).
Das ist herrlich. Ich habe auch eine undefinierbare Schwäche für Michael Fassbender. Und was bin ich froh, dass er auch noch ein exzellenter Schauspieler ist, der mit wunderbaren Regisseuren zusammenarbeitet und dessen Filme frau sich dann doppelt so gerne anschaut.
Und das obwohl er optisch überhaupt nicht mein Typ ist (falls ich sowas habe).
Er ist ja fast schon dieser Männermodel-Typ eigentlich, was ich gar nicht mag. Aber wenn man jemanden auf andere Art toll und interessant findet, dann gefällt er einem meist auch irgendwann optisch, oder?
Irgendwann geht das dann über, das stimmt schon. Es ist ein schmaler Grat – aufmerksame Faszination und optische Anziehung. Es macht einfach so viel Spaß, ihm bei seiner Arbeit zuzuschauen.