Je mehr Filme ich für das Projekt Wiedersehensfreude sehe, desto merkwürdiger finde ich mein Gedächtnis. Ich weiß zwar schon lange, dass ich mich nur an Elemente aus Filmen erinnern kann, nie an die gesamte Handlung, doch jetzt ist mir zusätzlich aufgefallen, dass ich von diesen Elementen, von Bildern, Szenen, einer bestimmten Atmosphäre auf den gesamten Film zu schließen scheine. Da sich aber vor allem die intensiven Momente aus Filmen einprägen und ich früher leichter für diese zugänglich war, sind viele Filme in meiner Erinnerung in ihrer Gesamtheit so intensiv wie vielleicht nur eine Szene daraus.
Bei Repulsion erinnerte ich mich natürlich vor allem an die aus den Wänden ragenden Hände, die nach Catherine Deneuve greifen. So wurde der Film in meiner Erinnerung zu einem höchst surrealen Albtraum-Trip. Eine Vorstellung, der er nicht gerecht wird. Dabei bedauere ich diese Erwartungen ja, die durch meine verzerrten Erinnerungen hervorgerufen werden. Es ist ungerecht, so voreingenommen einem Film gegenüberzutreten, doch das Denken lässt sich nun mal nicht überlisten, Erwartungen leider schon gar nicht.
Jedenfalls ist Repulsion ein für damalige Verhältnisse außerordentlich gruseliger Film, zumindest für meine schwachen Nerven, jedoch nur in einzelnen Szenen, nicht im Gesamten und dabei bei Weitem nicht so abgedreht wie gedacht. Es ist eher ein subtiles Abdriften in den Wahnsinn, in einen Albtraum, psychologisch allerdings nicht besonders komplex. Carole ergibt sich für meinen Geschmack etwas zu somnambul ihrem vorgezeichneten Weg. Der titelgebende Ekel wollte sich dadurch nicht auf mich übertragen. Sie zeigt so wenig emotionale Reaktion, dass man sie nur als Marionette eines Triebs wahrnehmen kann und dadurch nur von außen erleben, nicht mit ihr. Vielleicht liegt die Faszination jedoch auch gerade darin: eine Protagonistin, so schön wie undurchschaubar und tödlich. Wahnsinn ist nichts Erklärbares und ein Protagonist nicht dazu da, dass man ihn immer versteht und ihm stets folgen kann. Im Ganzen dennoch ein bisschen unausgereift, wirkt der Film auf mich wie eine frühe Fingerübung in Sachen Stil, Atmosphäre, Spannung, psychologische Entwicklung. Eine Fingerübung, die sich jedoch durchaus gelohnt hat, denn ich bin mir trotz der Kritik vollkommen bewusst, dass der Film 1965 außerordentlich gewesen sein muss und auch stilprägend.

Viel von gehört, viel drüber gelesen, leider noch nie gesehen. Für solche Filme sollte man sich manchmal das Gehirn löschen lassen, einfach ihn so zu sehen, wie die Leute damals. Wir haben mittlerweile schon so viel gesehen, das uns nichts mehr schocken kann. Das fällt mir auch immer wieder ein, wenn ich daran denke, dass “Der Exorzist” damals so ein Schocker gewesen sein soll!
Allerdings, unsere Abstumpfung ist wirklich bedauerlich.