Tag 7 – Welchen Film hast du am häufigsten gesehen?
Da ich keine Filme “ausleihern”, ihnen also nicht überdrüssig werden und bei jedem abermaligen Sehen noch etwas fühlen möchte, schaue ich Filme nicht exzessiv oft. Selbst 2001 habe ich höchstens viermal gesehen. Aber so halte ich ihn frisch, damit er mich beim jedem neuen Sehen wieder überwältigen kann.
Aber es gibt ja so Filme, die man irgendwie immer mal wieder sieht, wenn sie im Fernsehen wiederholt werden. Das sind dann nicht immer gute Exemplare, müssen einem nicht mal unbedingt besonders gefallen, sind aber entweder offiziell oder für einen selbst Kult, weil man sie schon als Kind gesehen hat. Komischerweise fällt mir jetzt kein konkreter ein, aber ich möchte sowieso lieber einen anderen Film vorstellen.
Ein Film, der mich seit Jahren regelmäßig begleitet, nicht immer nur zu Weihnachten, ist The Nightmare before Christmas. Ich habe sogar damals die 3D-Vorstellung im Kino mitgenommen (was sich allerdings nicht unbedingt gelohnt hat). Es ist tatsächlich einer der wenigen Filme, die ich immer und immer wieder sehen kann, ohne müde zu werden, ohne den Spaß zu verlieren, ohne dass mich das Staunen verlassen würde. Stop-Motion-Filme enttäuschen generell sehr selten, ist es doch die aufwendigste und dadurch liebevollste und mir liebste Form der Animation. Auch hier ist sie besonders originell gestaltet, mit wunderwunderschönen Kulissen, Figuren mit ausgeprägten Eigenheiten und verspielten Bewegungen. Diese Welt, die hier erschaffen wird, ist ganz eigen und dabei absolut stimmig – grausam und niedlich zugleich. Und obwohl für mich Gesang nur sehr selten in einen Film gehört, sind die Musical-Nummern hier so hinreißend, mit herrlichen, mal melancholischen, mal mitreißenden Ohrwurm-Songs, denen ich auch nie überdrüssig werde, und die mir, wenn sie mir mal wieder im Kopf rumspuken, sofort Lust auf den Film machen. Doch in all diesem Reigen wunderbar bizarr-grausamer und doch herzlich-naiver Charaktere, ihrer Begeisterungsfähigkeit, verschrobener Einfälle (wie der Geisterhund Zero – den ich als Kuscheltier habe
) und schwarz-bunter Bilder ist es doch auch der inhaltlich ausdrucksstärkste Film aus Tim Burtons Geist, finde ich. Er lässt ein Paradies für Grufties erstehen, ein Land, aus dem er selbst zu stammen scheint, mit einem Helden (der ein Skelett ist – wo hat man so was schon mal gesehen?), der in zwei Welten leben will und in beiden ein Außenseiter ist – bis er die wahre Liebe findet. Der Film erzählt von Rastlosigkeit, von der Suche, von dem Drang nach dem richtigen Platz, der richtigen Aufgabe im Leben, nach Erfüllung, nach Geborgenheit und Verständnis – und das auf völlig unkitschige Weise, wütend, resigniert und versöhnlich zugleich, simpel, aber pointiert.
The Nightmare before Christmas ist einfach ein unvergleichlicher Film, in jedem Element vollkommen und als Gesamtkunstwerk bewundernswert einfallsreich und stimmig. Es ist ein Plastilin-Schatz und noch dazu eine Huldigung an meine liebste “geometrische” Form, den Kringel.

