Projekte

The Scottish Play in Film: Macbeth (Justin Kurzel, 2015)

Macbeth201Eine ultimative Shakespeare-Verfilmung kann es nicht geben. Sie müsste alle nur denkbaren Variationen einbeziehen, alle Deutungen und Stimmungen, wenn sie das Stück vollständig abschließen wollte. Das gilt natürlich für jede Verfilmung eines bereits existierenden Stoffes, aber allein die Tatsache, dass zig Ausgaben von Shakespeares Dramen existieren, die kaum klar einem Autor zuzuordnen sind, schließen bereits eine Endgültigkeit der Vorlage aus. Daneben machen sprachliche, kulturelle, historische und persönliche Hürden die Festlegung von Bedeutungen schwer, ...

Weiterlesen

Sátántangó (Satanstango – Béla Tarr, 1994)

SátántangóSnap19Sillleben mit Glockenschlag, Uhrenticken und Regen.

Das ist einer dieser Filme, deren Eindruck langsam einsickert, bei mir sogar erst vollständig, als er dann zu Ende war (trotz der Länge), der dann aber nicht mehr loslassen will. Und bei Béla Tarr ist das natürlich ein Eindruck, der alle Hoffnung stiehlt und nur das Gegenstück übrig lässt. Aber wo sein letzter Film, A torinói ló, sogar die Verzweiflung und die Tränen unmöglich machte, nur stumpfe Leere ließ, blieb mir hier eine große Traurigkeit angesichts der Unrettbarkeit der Welt. Und das, obwohl ich den Film über fünf Tage verteilt sah (was sehr gut machbar ist).

Aber was für ein Luxus, mal so gar nicht auf die Zeit zu achten ...

Weiterlesen

Wiedersehensfreude: East of Eden (Jenseits von Eden – Elia Kazan, 1955)

EastofEden1Woran ich mich am klarsten erinnerte: James Dean umarmt einen Ofen, als wäre er ein Mensch. James Dean hat hier wirklich die Energie eines kleinen Jungen. Er ist beinahe permanent in Bewegung und immer schwungvoller als nötig. Er hat mehr überschüssige Energie, als ihm gut tut, und mehr Emotionen, als er sprachlich ausdrücken kann. Erst später, als er eine Aufgabe hat, ruht er mehr in sich. Gleichzeitig schmiegt er sich aber an Gegenstände, als suchte er verzweifelt Halt und Nähe. Er ist verschämt und geduckt und sprunghaft wie ein Tier, das noch keine Liebe erfahren hat.

Weiterlesen

Sieben Filme (2)

Nightcrawler

  • Tian zhu ding (A Touch of Sin - Jia Zhang-ke, 2013)
  • After the Fall (Saar Klein, 2014)
  • Turist (Höhere Gewalt - Ruben Östlund, 2014)
  • Norte, hangganan ng kasaysayan (Norte, the End of History - Lav Diaz, 2013)
  • Chinatown (Roman Polanski, 1974)
  • Nightcrawler (Dan Gilroy, 2014)
  • Shaun the Sheep Movie (Shaun das Schaf - Der Film - Mark Burton / Richard Starzak, 2015)

Weiterlesen

The Scottish Play in Film: Fazit

MacbethWordle3
Eigentlich ist meine Macbeth-Werkschau noch nicht beendet, aber da die Veröffentlichung von Kurzels Version in eine ungewisse Zukunft verschoben ist, ziehe ich bereits jetzt ein Fazit, und zwar ein begeistertes! Denn mir wurden neue Türen im Hirn aufgestoßen, Vorurteile beseitigt und neue Blickwinkel ermöglicht. Ich habe Shakespeare durch die Augen anderer gesehen und gelernt: Literaturverfilmungen haben ihren Ruf nicht verdient.

Weiterlesen

The Scottish Play in Film: Macbeth (Rupert Goold, 2010)

Macbeth_Rupert_Goold_2010_2
Elfeinhalb Verfilmungen waren nötig, damit ich "By the pricking of my thumbs, Something wicked this way comes" nicht mehr hören mag. Ein schlechter Schnitt ist das aber nicht für eine so einfache, elementare Geschichte. Und wäre ich nicht so gelangweilt gewesen, hätte ich sicherlich auch Rupert Goolds Interpretation (die auf einer Theaterinszenierung basiert) zu schätzen gewusst, denn sie brachte mir etwas vor Augen, was ich in Macbeth noch gar nicht so bewusst gesehen hatte: eine Rechtfertigung von militärischen Mitteln.

Doch von vorne: Der Film lässt sich von diversen Genres inspirieren.

Weiterlesen

The Scottish Play in Film: Macbeth (Geoffrey Wright, 2006)

Macbeth2006Snap1
Geoffrey Wrights Macbeth versucht das, was Baz Luhrmann zehn Jahre zuvor machte: eine Shakespeare-Verfilmung in modernem, überstilisiertem, schießwütigem Setting, in das sich die (deutlich gekürzten) Original-Sätze durch ihre Artifizialität gut einfügen. Nachahmungen von Nachahmungen haben es allerdings meist schwer, nicht wie Parodien zu wirken. Und so schrammt dieser Macbeth auch hart am Trash vorbei. Wo andere Verfilmungen durch ihre Kargheit Abstraktion erreichen, tut es dieser Macbeth durch ein Übermaß an visuellen Eindrücken, an dunklen, satten Farben, leicht verzogenen Bildern, einem Schwanken der Kamera.

Weiterlesen

The Scottish Play in Film: ShakespeaRe-Told: Macbeth (Mark Brozel, 2005)

ShakespeReToldSnap1Nach dem der Gangster scheint das beliebteste Milieu für Macbeth-Modernisierungen also die Gastronomie zu sein. Ganz anders als Scotland, Pa., nimmt diese BBC-Neuerzählung die Vorlage allerdings todernst. Und es gelingt ihr dabei etwas, was ich bei noch keiner der anderen Modernisierungen gesehen habe: Sie nimmt Shakespeares Handlungen und vor allem Sätze als Inspiration, übernimmt sie teilweise sehr ähnlich, spinnt sie allerdings auf eigenständige Weise weiter und beweist dadurch tatsächliche Originalität und einen eigenen Geist. So wirkt die Geschichte auch originär, obwohl sie sich klar an die Eckpunkte hält. Wenn etwa Milch zu Blut wird, dann verbindet der Film geschickt zwei wiederkehrende Motive des Stücks: Macbeths Halluzinationen und die Themen Mütterlichkeit, Männlichkeit und die Einverleibung und Urwüchsigkeit des Bösen.

Weiterlesen