Joaquin Phoenix

Stöckchen: Film-/Serienrollen, die meinen Männergeschmack beeinflussten

In der ERGOThek habe ich mal wieder ein Stöckchen gesehen, das ich mir diesmal sogar ganz freiwillig geklaut habe – weil ich mich zumindest früher (als es noch am realen Traummann mangelte) unheimlich gerne vor Leinwand und Mattscheibe für ein paar Stündchen verliebt habe. Es hat schon (auch immer noch) seinen Reiz, eine Weile einen Mann passiv und voyeuristisch zu begleiten, der anziehend ist, aber in der Realität viel zu anstrengend (oder einschüchternd) wäre. Deswegen haben mir diese Rollen auch nichts verdorben, weil mir meist doch klar war, dass ich jemand anderen brauche. Aber träumen und fantasieren darf man ja.

Ich würde das Stöckchen allerdings etwas anders formulieren: Film-/Serienrollen, die mir meinen Männergeschmack erst richtig bewusst gemacht und ausformuliert haben. Denn ich denke, dass die Vorliebe definitiv vor den Filmen da war.

Dazu sagen muss ich, dass die meisten dieser Schwärmereien lange her sind und ich den ersten genannten Kerlen heute sicher nicht mehr so verfallen würde. Ein Muster erkenne ich persönlich dennoch, und generell lassen sich diese Rollen leicht herunterbrechen: Sie sind allesamt kluge, traurige Einzelgänger. Solche gehen mir einfach nah, die entfachen etwas in mir. Und tatsächlich habe ich so einen dann auch geheiratet.

Louis de Pointe du Lac (Brad Pitt) aus Interview with the Vampire:

Ein sensibler, an Weltschmerz leidender Unsterblicher, der mit seinem Dasein hadert und zu herzensgut ist, um Menschenleben zu nehmen. Er verbindet damit wunderbar Unnahbarkeit, Sinnlichkeit, Empfindsamkeit und Empathie.

Vincent Anton Freeman (Ethan Hawke) aus Gattaca:

Gattaca ist ja eines der ganz wenigen „Du-kannst-alles-schaffen-wenn-du-nur-an-dich-glaubst-und-hart-arbeitest-Märchen“, das ich akzeptiere. Das liegt an der differenzierten Ausarbeitung dieser Aussage, am generell pessimistischen Weltbild und am sehnsüchtigen Träumer Vincent (schon der Name!), dessen Traum von Verzweiflung angetrieben scheint, von einem wesenhaften Zwang und von dem Wunsch, diese grausame Welt zu verlassen und eine andere Heimat zu finden.

Männergeschmack3.1

Ricky Fitts (Wes Bentley) aus American Beauty:

Diese Besessenheit war groß und lang, obwohl mir schon damals bewusst gewesen sein muss, dass er viel zu selbstbewusst ist, als dass ich mich mit ihm hätte wohlfühlen können. Was machte ihn für mich aus? Eine Andersartigkeit, die pathologisch ist, Unvorhersehbarkeit und Abgründe, die Aggression und damit Macht zulassen, aber gleichzeitig ein empfindsames, schwarzromantisches Gespür, Erhabenheit, der Eindruck, dass er über allem steht und alles und jeden mit einem Blick durchschaut (und somit auch innere Schönheit sofort erkennt und sich gar nicht von Äußerlichkeiten blenden lässt – Balsam für die unsichere Teenagerseele) und schließlich eine Wahrnehmung, die schnöder bürgerlicher Durchschnittlichkeit entkommt. Und das in der perfekten Hülle des attraktiven, aber geheimnisvollen Wes Bentley mit den durchdringenden Augen. Sein benevolentes Weltbild hat mich tatsächlich einige Jahre geprägt, heute könnte er mich damit aber wohl nicht mehr hinterm Ofen vorlocken. Als ganz eigentümlich erdachte und gespielte Figur empfinde ich ihn aber immer noch.

Commodus (Joaquin Phoenix) aus Gladiator:

Commodus ist vielleicht mein Loki. Eine Zeit lang waren die kaputten Bösewichte eben die Attraktivsten. Die kann man retten und die Guten sind sowieso langweilig. Und Commodus braucht doch eigentlich nur ein bisschen Liebe (was ich heutzutage natürlich nicht mehr für eine akzeptable Rechtfertigung von Gewalt halte). Entscheidend ist aber eigentlich nur, dass ich eben seit Gladiator, seit dem Jahr 2000, Fan von Joaquin Phoenix bin, alle seine Filme und Karriereschlenker verfolgt habe und unheimlich glücklich darüber bin, dass er sein Talent nicht verschenkt hat und heute in einem für ihn idealen Arbeitsumfeld angelangt ist, das ihm erlaubt zu zeigen, was für ein einmaliger, starker Schauspieler er ist. Außerdem ist er der zweitschönste Mann der Welt, auch gerade durch sein unperfektes, komplexes Gesicht, in dessen Tiefe und Ernsthaftigkeit man vollkommen versinken kann. Er kann mit seiner Kopfbehaarung anstellen, was er will, die Augen sind und bleiben seelendurchbohrend.

Jess Mariano (Milo Ventimiglia) auf Gilmore Girls:

Er ist vielleicht etwas arg eifersüchtig und maulfaul, aber als intellektueller, wütender, verletzter Rebell doch einfach zu schnucklig. Ein kluger Bad Boy!

Russell Corwin (Ben Foster) aus Six Feet Under:

Der unsichere, einsame, etwas verwirrte Künstler. Eine Schande, dass Claire ihm nicht noch eine Chance gegeben hat (obwohl ich ihre Flucht vor seiner Abhängigkeit verstehe). Und Ben Foster entwickelte sich seither ja auch zu einem Lieblingsschauspieler. Er hat das süßeste Lächeln, während seine Augen stets traurig sind (immer diese Augen!).

Ben Hawkins (Nick Stahl) aus Carnivàle:

Ein widerspenstiger, unbeholfener Superheld, dem ich nur allzu gerne dabei geholfen hätte, sich selbst und seinen Platz in der Welt zu finden.

Rochester (Michael Fassbender) aus Jane Eyre:

Dürfte ich nur eine Rolle des fabulösen Herrn Fassbender behalten, dann wäre es Rochester, auch wenn sie kleiner ist als viele seiner anderen. Aber dieser Rochester geht mir durch Mark und Bein. Er ist vielleicht für mich, was für viele Colin Firths Darcy ist. Der edle Ritter mit harter Schale und weichem Kern – und Fassbender ist natürlich härter und weicher als alle anderen! Mit durchdringender Direktheit und Charisma und einer herzerweichenden Verlorenheit.

Rustin Cohle (Matthew McConaughey) aus True Detective:

Der pessimistische Byronic Hero in engen Hemden. Vielleicht ein Anti-Ricky-Fitts. Anzufangen wäre mit ihm auf Dauer nichts, aber ich habe Matthew McConaughey (erstaunlich!) gerne dabei zugesehen, wie er sich im Leid suhlt und es gleichzeitig aus anderen Sphären heraus kommentiert.

Irgendwo dazwischen gehört eigentlich auch noch eine Rolle von Kevin Spacey, da mich seine Coolness einige Zeit schon sehr angemacht hat – ich weiß nur nicht, welche. Und ob ich in Edward Scissorhands und Cal Trask (James Dean) genug verliebt war, um ihnen hier einen eigenen Platz zu widmen, weiß ich leider nicht mehr, aber eine Nennung sind sie allemal wert. Wäre ich außerdem zur Zeit von The Place Beyond the Pines jünger gewesen, hätte ich mich auch sehr in Jason (Dane DeHaan) verknallt.

Eine solche Liste könnte ich übrigens auch für weibliche Rollen erstellen, auch wenn das Verliebtsein da ein bisschen anders funktioniert.

Monatsrückblick 07/2014

Das war ja ein Monat! Ich weiß schon gar nicht mehr, was alles passiert ist. Ach ja, ich habe eine spontane, sehr schöne Werkschau beendet, war auch spontan, aber weniger schön vier Tage im Krankenhaus und perfekt durchgeplant beim Freiburger Filmfest. Aber das Wichtigste ist ja, dass ich tolle Filme gesehen habe und tatsächlich waren es im Juli sogar drei, an die ich mich noch lange erinnern möchte und die daher in die wichtigste aller Listen gewandert sind (Im Krieg nicht, weil er noch nicht vorhanden ist, und ja, Still Life lasse ich mal kühnerweise an der Stelle, bis ich ihn noch mal gesehen habe), in der sich ja alles jährliche Schreiben kondensiert. Daneben habe ich einen bereits gesehenen Film, Bright Star, ganz neu für mich entdeckt. Serienmäßig war der Monat hingegen übersichtlich, ich habe lediglich die dritte Staffel In Treatment beendet.

  • gesehene Filme: 37
  • im Kino: 19
  • Erstsichtungen: 35
  • Serienstaffeln: 1

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Am besten gefallen haben mir:

Das große gute Mittelfeld lasse ich mal aus und komme gleich zu den

Enttäuschungen (weil die Diskrepanz zwischen Erwartung und Befriedigung zu groß war):

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Erkenntnisse im Juli:

  • Bisher habe ich noch bei jeder Werkschau ein tieferes Verständnis und auch Sympathie für den_die Regisseur_in entwickelt. Zwar vergisst man irgendwann Einzelheiten, aber ein grundlegender, kompakter Eindruck bleibt doch haften, hoffentlich lange. Ich glaube kaum, dass auf anderem Wege ein solch naher Zugang zu einer Filmographie möglich ist, und damit nicht nur zu einem „Auteur“, sondern auch zu den vielen verschiedenen Anliegen und Weltbildern, die Filme vermitteln können.
  • Es war ein Monat der überwältigenden Bilder: von verschiedenen 3D-Kriegsfotografen (Im Krieg), von Darius Khondji (The Immigrant), Greig Fraser (Bright Star), Stefano Falivene (Still Life), Agnès Godard (Les Salauds) und Christopher Blauvelt (Night Moves). Wenn solche Bilder jedoch nur kunstvoll sind, aber ohne Resonanz bei mir bleiben (wie die von Daniel Landin für Under the Skin oder auch die in Jack et la mécanique du coeur), dann bringen sie mir nichts. Das ist natürlich extrem subjektiv. Denn visuelle Kommunikation spricht nicht nur das Deutungsvermögen an, sondern auch sehr direkt zum individuellen assoziativen Gespür für Ästhetik, Stimmung und Emotion. Es ist schon faszinierend, dass bestimmte Bilder dem einen Menschen langweilig und leer, dem anderen aber reich gefüllt erscheinen können.
  • Am besten gefallen mir derzeit geradeaus, zurückhaltend, ruhig erzählte, simple Geschichten, die ihre Kraft aus der Geschichte selbst, den Figuren oder eben in Zusammenarbeit mit den Bildern entfalten – oder ganz rätselhaft und labyrinthisch konstruierte Plots, die aber eben einen Abgrund erahnen lassen müssen, nicht nur banale Fakten.
  • Dane DeHaan spielt den wütenden, verletzlichen Teenager perfekt, aber es ist Zeit für andere Rollen.
  • Marion Cotillard ist wohl die beste Leidende des zeitgenössischen Kinos.
  • Ich verstehe Joaquin Phoenix‘ Art zu spielen auf Anhieb. Mir war sofort klar, was sein Bruno für ein zwiespältiger Mensch ist. Und nicht sein Ausbruch zum Schluss von The Immigrant zeichnet sein Können besonders aus, sondern auch das zurückgenommene, zusammengehaltene Spiel davor.
  • Michael Fassbender macht alles nur für mich.
  • Ich bin vielleicht nicht sehr nah am Wasser gebaut (oder?), dafür unweit eines sehr großen – ein kleines Meer ist es sicherlich.

The Immigrant (James Gray, 2013)

TheImmigrantPoster1The Immigrant ist ein Film, dessen Wucht man emotional erlebt statt sie rational zu erschließen. Er hat etwas Sakrales, Erhabenes, das nicht durch die sehr einfache Geschichte erzeugt wird, sondern durch die visuelle Vermittlung, das Tempo, die Musik und durch die Gesichter. Die Autoren Gray und Menello geben der Handlung wenige Figuren, Schauplätze, dramaturgische Spitzen, Ziele, raffinierte Dialoge und den Figuren nicht viel psychologischen Hintergrund mit – sie sind nur das Gerüst, an das Gray einen ockerfarbenen, schweren Filmteppich hängt, der von Schuld und Sühne erzählt und von Vertrauen und Hoffnung, ohne dass diese Einheiten klar umrissen werden. In der Welt, in der der Film spielt, ist zwar eindeutig, was moralisch richtig und falsch ist, was Tugend und was Sünde, aber sie macht es auch gleichzeitig unmöglich, danach zu handeln, wenn man überleben möchte. Ans redliche Ziel kann nur durch fragwürdige Mittel gelangt werden, und wem dabei zu vertrauen ist und wo das nächste Glück oder Pech wartet, ist unklar. Selbst Ewas Stärke ist schwer einschätzbar, und Bruno wirkt nur in wenigen Momenten wie ein eigennnütziger, kalter Zuhälter. Der Schluss macht schließlich gänzlich schemenhaft, was als Schuld, als Güte oder Verderben, als Zwang oder freie Entscheidung definiert werden soll. Die Blicke durch Türrahmen oder anderen Vordergrund, durch verschwommene Glasflächen und viel Schwarz machen es zudem nicht leichter, die Lage zu durchschauen. Sie bieten keine Fluchtwege.

Eben wie ein Teppich umhüllen einen diese wunderschönen gelb, ocker, dunkelbraun, grau und schwarz gehaltenen, dunstigen Bilder von Darius Khondji. Sie zeigen eine ferne und lang vergangene Welt, die wie neu erschaffen, vollständig, aber fast mystisch wirkt. Wie die Handlung lassen sie vermuten, dass es da noch sehr viel mehr zu entdecken gibt. Und mittendrin dieses Gesicht von Marion Cotillard, dessen Leidensausdruck wie der von Melle Falconetti für sich spricht. Sie nimmt die Opferhaltung ein, lässt aber nie das Gefühl aufkommen, dass ihr die Entscheidungen aus den Händen genommen wären. Sie ist eine Verlorene, die sich dennoch ihres Handelns und ihres Weges bewusst ist. Da wirkt selbst ihr zielloser Zuhälter manchmal hilfloser als sie selbst, weil Joaquin Phoenix dieses Pendeln zwischen unvorhersehbarer Aggressivität, durch Charme verschleierter Unsicherheit und verletzter Seele so gekonnt vollführt.

Erst im Nachhinein dann erscheint der Fortgang der Handlung völlig selbstverständlich und schicksalhaft. Es wird eine kleine, intime Geschichte um drei Menschen erzählt, aber natürlich auch von einem amerikanischen Mythos und seinen institutionellen und gesellschaftlichen Hürden und Verstrickungen, von Wegen, die auf dem amerikanischen Kontinent angeboten und eingeschlagen werden. Das Glück liegt nicht auf der Straße. Ewa flieht vom Krieg in einen anderen Überlebenskampf, aber der Gewinn der Hoffnung macht es das wert. Aber die größte Leistung des Films ist es, diese kleine Geschichte nur durch seine Gestaltung schwer und ergreifend wirken zu lassen, wichtig und nachklingend. Jedes Bild evoziert eine ganze Welt und lädt eine süße Traurigkeit und Sehnsucht auf, die fast wehtun.

Richard Brody erklärt es wie immer am schönsten.

(Ausnahmsweise kommt ein italienisches Filmposter zum Einsatz, da es sehr viel erträglicher ist als das amerikanische. Zudem erinnert der Titel an Episches.)

Her (Spike Jonze, 2013)

HerPosterDas Hipster-Paradies, das Spike Jonze in Her entwirft, ist verblüffend glaubwürdig. Glatte Oberflächen und Glasfronten, die kontrastiert werden mit natürlichen Materialien wie Holz und einer Kleidungsretromanie. Da ist die Gegenwart gut beobachtet und abgeleitet. Allerdings ist diese Welt auch schon wieder zu himmlisch in der Vorstellung, dass es dann tatsächlich noch solche romantischen Kreativjobs wie den von Theodore gibt (anstatt dass diese Liebesbriefe standardmäßig von Computern verfasst werden), von denen man sich sogar eine gigantische Wohnung leisten kann. Das ist schon etwas realitätsfern und interessiert sich nicht wirklich für Praktikabilität, was auch in der Beziehung zwischen Theodore und seinem Betriebssystem zu erkennen ist. (Es folgen Spoiler.)

Eine künstliche Persönlichkeit, die liebenswert ist und selbst lieben kann, wirft tausend Fragen auf. Her stellt nur ein paar davon. Besonders die Käuflichkeit einer solchen Liebe wird überhaupt nicht thematisiert. Noch weniger als ihre ständige Verfügbarkeit, die theoretische Unsterblichkeit, gleichzeitig Abhängigkeit von der Bereitstellung durch Hersteller und Technik, der Mangel an menschlicher Vergangenheit und Erfahrungen und die Tatsache, dass Samantha erst durch und für ihn existiert (zumindest in der Ausprägung, die er auf seinem Computer hat). Umstände und Zukunft dieser Beziehung werden nie diskutiert, und Theodore stellt schon etwas spät fest, dass er (selbstverständlich) nicht ihr einziger ist. Die Beziehung zerbricht dann auch nicht an diesen Umständen, nicht an ihrer Widernatürlichkeit, sondern an dem durchaus menschlichen Umstand, dass sie ihm entwächst (wobei das wiederum nicht vom Hersteller gerechtfertigt wird – ich würde mein Geld zurückverlangen!).

Aber um all diese anthropologischen Fragen geht es dem Film ja gar nicht, es geht um die Liebe, um Gefühle, und dabei vor allem um Erwartungen und Ansprüche. Samantha wirkt schließlich sehr schnell wie eine echte Person statt wie eine Maschine. Die Moral von der Geschichte ist in meinen Augen eine ganz simple: Die perfekte Liebesbeziehung gibt es nicht, nicht mal in dieser Hochglanzkuschelwelt, nicht mal mit einer perfekt programmierten Illusion. In einer Beziehung gilt es nicht nur, Kompromisse einzugehen (wie den, auf einen Körper zu verzichten), sondern von der Wunschvorstellung Abstand zu nehmen und das Gegenüber in seiner Individualität und mit seinen Bedürfnissen zu akzeptieren. Ich bin mir nur nicht sicher, ob Theodore das zum Schluss auch tatsächlich begriffen hat. Der Film endet eher unbefriedigend. Es wäre doch zum Beispiel schön, wenn man sehen würde, wie er seinen Job hinschmeißt, der ja ebenfalls Teil dieser Illusionsmaschinerie ist.

Warum mich der Film trotz einem süßen Joaquin Phoenix (man stelle Freddie Quell und Theodore Twombly nebeneinander und erstaune in Ehrfurcht vor der mimischen Bandbreite dieses Künstlers) nicht mal besonders berührt hat, liegt einerseits daran, dass er für diese besondere Liebe keine besonderen, neuen Situationen und Bilder zeigt, nur den bekannten Wohlfühl-Kuschel-Überschwang, andererseits aber auch sicher daran, dass ich vorher zu viel über den Film wusste. Das ist auch meine Schuld, aber auch die dieses Distributionssystems, das Filme nicht überall zur gleichen Zeit ins Kino bringt. So ist zu viel Zeit zum Lesen da (und zu viel Zeit für Tumblr-Nutzer, um Gifs zu erstellen).

Sonstige Filme im Januar

  • Byzantium (Neil Jordan, 2012): Auch wenn ich die Ausgangssituation, die Figuren, die Schauspieler, das Setting mochte, war ich trotzdem unbefriedigt. Es ist eine Mischung aus Låt den rätte komma in und Interview with the Vampire ohne aber annähernd an die Klasse, die Geschlossenheit der beiden heranzukommen. Irgendwie machen Neil Jordan und Autor Moira Buffini nichts Interessantes daraus, obwohl der Genderkampf und die mythische Vampirentstehung neu sind. Es ist ja trotzdem vor allem ein Fluchtdrama und eine etwas lahme Liebesgeschichte (obwohl Caleb Landry Jones wieder so schön schnuffig zerrüttet ist). Ich war wohl auch noch zu sehr von Only Lovers Left Alive verwöhnt …

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  • La leggenda di Kaspar Hauser (The Legend of Kaspar Hauser – Davide Manuli, 2012): Ein seltsamer, episodenhafter Schwarz-Weiß-Film über einen ewig tanzenden Kaspar Hauser, der an einer italienischen Insel angespült wird und von den überschaubaren Inselbewohnern verschiedene Behandlungen und Vermutungen über sich ergehen lassen muss. Viel elektronische Musik und Vincent Gallo in einer Doppelrolle. Ich weiß nicht, was es bedeutet, aber einen gewissen Charme hat der Film manchmal schon.
  • Alpeis (Alpen – Giorgos Lanthimos, 2011): Ich glaube, diese neue griechische Filmwelle ist nichts für mich. Diese Filme sind so glatt, ich kann mich an nichts festhalten, ich rutsche förmlich an ihnen ab. Und das ist auch schon alles, was mir dazu einfällt.
  • Chelovek s kino-apparatom (Der Mann mit der Kamera – Dziga Vertov, 1929): Michael Nyman hat 2002 eine neue Musik zu dem Film geschrieben, was (das gebe ich gerne zu) der Grund für meine Neusichtung war. Und ich finde: Die Musik macht den Film noch viel reicher, sie ist liebevoll und lebensfreudig. Ansonsten ist das natürlich ein Werk zum Staunen, das jeder Filmfreund gesehen haben sollte. Ich liebe vor allem die Gleichsetzung der Kamera mit einem voyeuristischen Auge.
  • Ha-shoter (Policeman – Nadav Lapid, 2011): Ein Film über zwei radikale Gruppen im heutigen Israel –  eine übermaskuline Spezialeinheit der Polizei und militante Weltverbesserer -, der allerdings sehr auf Distanz hält, auch dadurch, dass er die beiden Einblicke klar voneinander trennt, sodass er zwischendurch plötzlich eine ganz andere Geschichte erzählt. Auch gibt es keinen Sympathieträger, keine Psychologisierung, keinen Kontext. Die Herangehensweise ist spannend (indem man eben lange nicht erfährt, um was es eigentlich geht), die Ausführung bietet allerdings keine wirklichen Einsichten zum Thema Gewalt etwa – bestenfalls, dass sie immer übertrieben und sinnlos ist.

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  • Old Joy (Kelly Reichardt, 2006): Ich schätze Kelly Reichardts Fähigkeit sehr, das mühsame, unglamouröse Leben kleiner Leute in einem Film zu komprimieren und dadurch authentisch über ihr Land zu sprechen. Auch mit Old Joy ist ihr ein kurzes, aber treffendes, subtil mit Andeutungen arbeitendes Porträt einer bestimmten Generation gelungen, die anspruchslos ist, sich aber dennoch nach einer gewissen Harmonie und Unberührtheit sehnt, die im zeitgenössischen Amerika scheinbar nur in der Natur zu finden ist. In Wendy and Lucy und Meek’s Cutoff hat sie ihr Sozialdrama aber wesentlich besser und herzzereißender auf den Punkt gebracht, finde ich.
  • 12 Years a Slave (Steve McQueen, 2013): Ich war ja bereits nach seinem zweiten Film großer McQueen-Fan, aber dieser Film hat mich seltsamerweise kalt gelassen. Er bietet zwar eine Identifikationsfigur, hält den Zuschauer aber trotzdem die ganze Zeit auf Distanz. Das Gefühl einer 12-jährigen Tortur stellt sich auch nie ein. Dabei ist es ein erfreulich sachlicher Film darüber, was Sklaverei aus einem Menschen macht, alle (bis auf Brad Pitt vielleicht) sind perfekt gecastet (besonders Chiwetel Ejiofor und Lupita Nyong’o) und Michael Fassbender ist wie immer phänomenal. Kalt gelassen hat der Film mich aber trotzdem.
  • The Wolf of Wall Street (Martin Scorsese, 2013): Ein überraschend konventioneller Aufstieg-und-Fall-Film, der schon arg lang ist und, ja, die Opfer außen vor lässt, doch sie sind nun mal kein Teil von Belforts Wahrnehmung, die wir hier teilen sollen. Schade finde ich schon eher, dass seine kriminellen Finanzaktivitäten nicht näher erklärt werden, sodass er gar nicht so sehr als Verbrecher dasteht. DiCaprio ist brillant, ebenso wie die letzte Szene und Einstellung, die doch eigentlich die ganze Kritik enthält, den Spiegel, den der Film und vor allem das Publikum braucht. Lesenswert

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  • Bastard (Carsten Unger, 2011): Ein Genrefilm aus Deutschland (ein Thriller mit überraschenden Wendungen nämlich), der aber leider, leider schon wieder zu angestrengt versucht, Genrefilm zu sein. Die Prämisse ist gar nicht so schlecht (zwei Jugendliche aus lieblosen Familien erpressen sich eine Ersatzfamilie), die Geschichte unvorehrsehbar und manche Szenen besonders schauspielerisch spannend. Aber dann ist die Musik so penetrant, werden visuelle Spielereien zum Selbstzweck und manche Entwicklungen sind fast ein wenig peinlich, da total abgenutzt. Schade. Aus diesen beiden jungen Protagonisten hätte man etwas machen können. We need to talk about Leon.
  • Quills (Quills – Macht der Besessenheit – Philip Kaufman, 2000): Da sind furchtbar spannende Ansätze zu Zweck und Verantwortung von Kunst und zur Macht von Pornografie und persönlichen Begierden enthalten, die allerdings irgendwann dem großen Drama geopfert werden. Die Aussagen bleiben daher bestenfalls widersprüchlich, wenn nicht sogar ein Vorwurf an alternatives Gedankengut, das die Schwachen korrumpiert. Es war aber schön, mal die ganz jungen und frischen Kate Winslet und Joaquin Phoenix wiederzusehen. Ich liebe Kates Begeisterungsfähigkeit und Resolutheit und Joaquins Güte.
  • Cutie and the Boxer (Zachary Heinzerling, 2013): Ein liebevoller Einblick in das nicht immer leichte Leben eines semi-erfolgreiches Künstlerpaars, der sich zu gleichen Teilen der Kunst und den Charakteren widmet. Nicht mehr und nicht weniger.
  • Dirty Wars (Rick Rowley, 2013): Eine als persönliche Reise des Filmemachers erzählte Doku über ungerechtfertigte Methoden und Unmenschlichkeiten, die die USA während ihren aktuellen Kriegen unter anderem anstell(t)en – mit großem atmosphärischem Stilwillen gedreht, was ab und zu leider etwas aufdringlich ist.

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  • Paradies: Liebe (Ulrich Seidl, 2012): Der Film zeigt die ganze Bandbreite, die das Verhalten dieser anerkennungsbedürften Frau ausmacht: Das aus Enttäuschung geborene Bedürfnis, den Rassismus, die Abgebrühtheit und Naivität, die Widersprüchlichkeit (während sie die Oberflächlichkeit der Männer beklagt, behandelt sie die Afrikaner auch nur wie ein Stück Fleisch) und schließlich die Ernüchterung ob der fehlenden wirklichen Zuwendung. Tatsächlich hatte ich das Gefühl, hier ein noch ganz unaufbereitetes Thema und einen bisher unbekannten Einblick in die menschliche Natur erhalten zu haben.
  • Paradies: Glaube (Ulrich Seidl, 2012): So prägnant wie Paradies: Liebe ist der Film jedenfalls nichts, er zieht sich im Gegenteil sehr und ist alles andere als subtil und überraschend. Interessanter hätte ich ein Porträt moderner, auf den ersten Blick angepasster Gläubiger gefunden.
  • Paradies: Hoffnung (Ulrich Seidl, 2013): Ich bin froh, dass die Reihe wenigstens EINE durchweg sympathische, wenn auch nicht fehlerfreie Hauptfigur enthält. Wohl und Wehe der Jugend werden sehr authentisch dargestellt, dabei ein sehr positives Körperbild vermittelt und die Romanze bleibt bei einer ambivalenten Andeutung. Gut gemacht, aber auch nicht so geschlossen wie Paradies: Liebe.
  • Here (Braden King, 2011): Ein amerikanischer Kartograf und eine armenische Fotografin reisen durch armenische Landschaft. Es ist ganz angenehm, dass der Film zunächst kein erkennbares Anliegen hat, keine Culture-Clash-Analyse oder Selbstfindungsodyssee ist, und die Antriebe der beiden Protgaonisten nur andeutet. Auch zeichnet er kein verklärt-harmonisches Bild von Land und Liebe. Zum Schluss wird es dann aber doch etwas zu üblich und die Filmessay-Passagen (die mir an sich gut gefielen) fügen sich nicht in den Rest ein, wollen nur angestrengt Bedeutung herstellen.

Jahresrückblick 2013

2013 habe ich etwas gelernt, was jeder wahrscheinlich als selbstverständlich ansieht, was ich aber in diesem Ausmaß so noch nie erlebt habe: Filmwahrnehmung ist so unterschiedlich wie die Menschen. Man kann niemanden zwingen, etwas nachzuvollziehen, was gänzlich jenseits der eigenen Erfahrungen, Einstellungen und Vorstellungen liegt. Es gab Filme in diesem Jahr, die ich völlig anders erfahren habe als fast alle, deren Kritiken, Besprechungen, Analysen ich gelesen habe. Man kann sich bemühen, zu verstehen – das ist sogar sehr wichtig, um den Horizont zu erweitern -, aber manchmal scheinen die eigenen Augen einfach anders zu sehen. Und dann ist das einfach so, das ist kein Fehler, kein Mangel, nur eine Alternative. Es gibt keine richtige und falsche Art, Filme wahrzunehmen. Jeder hat seine eigene und solange sie in der Lage ist, Schönes und Wahres zu erkennen (wie immer das individuell aussehen mag), ist daran nichts falsch oder defekt.

Und so sprachen viele der Filme, die mir 2013 besonders gefallen haben, auch vor allem mich persönlich emotional an, meinen ästhetischen Nerv, meine persönliche Vorstellung vom Leben und von Schönheit. Ich habe nicht viele Filme gesehen, bei denen ich das Gefühl hatte, dass jeder Cineast sie gesehen haben sollte, weil ich schlicht nicht weiß, ob sich tatsächlich jeder auf die gleiche Weise von ihnen angesprochen fühlen kann.

Aber bevor ich zu meinen Lieblingen des Jahres komme, möchte ich noch ein paar Besonderheiten dieses Film- und Serienjahres Revue passieren lassen: Ich habe zwar schon früher Werkschauen zu Regisseuren gemacht, für die Uni (insbesondere: Eric Rohmer und Sergio Leone), aber noch keine so ausladende wie die zu Alfred Hitchcock. Fast jeder vierte Film, den ich 2013 gesehen habe, war von ihm. Und ich habe gelernt, ihn zu mögen und was ihn ausmacht und dass so ein Marathon möglich ist, ohne allzu monoton zu werden. Und auch die Tarkowskij-Werkschau war eine lehrreiche Erfahrung, auch wenn mich die bisher ungesehenen Filme größtenteils eher enttäuscht haben. Greenaway schließlich verehre ich vor allem nach der Lektüre diverser Fachbücher über ihn noch wesentlich mehr. Das andere Highlight des Jahres war die Akkreditierung zum Freiburger Filmfest, die ich so gut genutzt habe, wie ich konnte, und die mir Lust auf mehr gemacht hat, mehr Festivals, mehr kostenloses, da „professionelles“ Filmsehen. Außerdem war ich öfter mal in einem Stummfilm mit Musikbegleitung. Ein Skandal, dass ich dieses Angebot hier nicht schon früher entdeckt habe! Daneben habe ich erfreulicherweise wieder angefangen, intensiv über Filme zu lesen – Fachliteratur, aber auch im Internet – und gemerkt, wie unbändig mein Wissensdurst da ist und wie viel Spaß es macht, Filme verstehen zu lernen. Meine Blogroll ist ganz schön gewachsen, ich habe unter anderem eine neue Lieblingsfilmbloggerin gefunden, einen neuen Lieblingsfilmkritiker, einen neuen Lieblings-YouTuber.

Und dann bin ich auch recht zufrieden damit, wie es mit diesem Blog lief. Immer mal wieder gewinne ich einen treuen Leser dazu und habe manche Bloggerkollegen über das Jahr hinweg sehr ins Herz geschlossen. Ich finde auch, mein Schreibstil hat sich verbessert, ist angenehmer, reduzierter geworden, ohne dass meine „Handschrift“ verloren gegangen wäre. Auf manche Artikel bin ich im Nachhinein schon stolz (besonders auf die Werkschau-Beiträge und den über Michael Nyman) und besonders auch darauf, dass ich es mir angewöhnt habe, zu absolut jedem Film, den ich gesehen habe, etwas zu schreiben. Das ist praktisch für mein zukünftiges Ich, das eine frühere Meinung nachlesen möchte – besonders, da ich Punktebewertungen ja abgeschworen habe (oh, diese Freiheit!).

Jedenfalls habe ich 2013 so viel gesehen wie lange nicht:

  • gesehene Filme: 208
  • im Kino: 61
  • Erstsichtungen: 169
  • Serienstaffeln: 29

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Filme:

Viel geschrieben, nun endlich zu den allseits geliebten Listen. Wie immer geht es um MEIN Filmjahr, nicht das Filmjahr 2013 an sich, also alle Filme, die ich gesehen habe, ganz gleich, aus welchem Jahr sie stammen. Hier meine Favoriten unter den Erstsichtungen, die Filme, die mich am meisten beeindruckt haben, die am besondersten waren, an die ich mich unbedingt erinnern möchte und werde – mit ganz komprimierten Eindrücken, welche über die Wochen oder Monate hinweg geblieben sind (Reihenfolge auch wie immer nur ungefähr):

  • The Secret of Kells (Das Geheimnis von Kells – Tomm Moore / Nora Twomey, 2009): Abstraktion und Konkretes perfekt vereint. Ich staune immer noch. Diese Farben! Diese Formen! Bewegung! Magie! Eine filmische Schatzkiste.
  • Shadow of a Doubt (Im Schatten des Zweifels – Alfred Hitchcock, 1943): Die Versuchung des Bösen – aber man hat eine Wahl!
  • Iwanowo djetstwo (Iwans Kindheit – Andrej Tarkowskij, 1962): Elementare Bilder mit Seele, die einen noch unbekannten Fleck in mir berührten.
  • Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht (Edgar Reitz, 2013): Heimat des Körpers und Heimat des Geistes. Die Ungerechtigkeit und Schönheit des Lebens und seine Kompromisse. Im Wind wehender Weizen und wirbelnde Mädchenröcke.
  • De rouille et d’os (Der Geschmack von Rost und Knochen – Jacques Audiard, 2012): Versehrte Körper und Seelen, die zueinanderfinden. Schönheit und Gewalt.
  • Only Lovers Left Alive (Jim Jarmusch, 2013): Skulpturen, die sich jenseits von Zeit aneinanderschmiegen, das Positive und das Negative. Ein Film zum Hineinkuscheln.
  • Oslo, 31. August (Joachim Trier, 2011): Erwartungen, Enttäuschungen, das Gefühl, nie befreidigt sein zu können, ein zeitgenössisches Generationenporträt.
  • Strangers on a Train (Der Fremde im Zug – Alfred Hitchcock, 1951): Die Auslagerung des Bösen im gutbürgerlichen Menschen, in uns allen.
  • Frankenweenie (Tim Burton, 2012): Ein Knethund erwacht zum Leben und hat mein Herz schon vor dem Film für immer gestohlen. Unheimlich niedlich!
  • The Place Beyond the Pines (Derek Cianfrance, 2012): Ein Schulddrama, schicksalhaft und mythisch groß, aber auch ganz persönlich erzählt.
  • La Grande Bellezza (Paolo Sorrentino, 2013): Rausch der Sinne, aber innere Sinnlosigkeit, Vergeblichkeit und Distanz.
  • Spring Breakers (Harmony Korine, 2012): Pervertierung und Entzauberung des Amerikanischen Traums, bis nichts bleibt als Illusion.
  • Lore (Cate Shortland, 2012): Illusionsverlust, Ungewissheit, Neuorientierung und eine elektrisierende Hassliebe.
  • Bir zamanlar Anadolu’da (Once Upon a Time in Anatolia – Nuri Bilge Ceylan, 2011): Kafkaesker Tod in Landschaften wie Bühnen.
  • Gravity (Alfonso Cuarón, 2013): Das Grauen des unendlichen Nichts und die Schönheit der Erde.

Wie gesagt, dieses Jahr haben mich die besonderen Filme vor allem emotional getroffen, mich persönlich, in dem, wie ich bin und was ich schön finde. Ich weiß nicht recht, ob das Jahr so viele Filme hervorbrachte, die meiner Meinung nach die Zeit überdauern müssen, sicherlich Die andere Heimat und Spring Breakers. Aber natürlich habe ich nur einen Bruchteil gesehen und wer bin ich schon, das festlegen zu können? Der Konsens wird es zeigen.

Natürlich habe ich auch viele Favoriten wiedergesehen, allerdings ist mir keine Neusichtung als herausragend im Gedächtnis geblieben. Ich habe keinen Film völlig neu für mich entdeckt. Einzig Marnie von Hitchcock würde ich hier nennen.

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Serien:

Noch nie habe ich in einem Jahr so viele Serienstaffeln gesehen, darunter die beiden Vorzeigeserien The Wire und Breaking Bad. Beide haben mich überzeugt, aber wo Letzteres nicht viel hinterlassen hat, kein Vermissen, hat sich The Wire in mich eingegraben. Ich vermisse McNulty und Co. immer noch und David Simons Weltbild hat meines nachhaltig geprägt. Daneben gab es hauptsächlich Enttäuschungen. Nur die erste Staffel Hatufim und Mildred Pierce sind mir noch besonders positiv im Gedächtnis geblieben.

Besondere Details:

  • Gloria (Paulina García), mein Filmschwarm des Jahres!
  • das vollkommen originelle Spiel von Joaquin Phoenix in The Master. Eine Darbietung für die Ewigkeit.
  • Brüche in der zivilisierten Ordnung, die Veranlagung zum Bösen, die jeder in sich trägt, neben dem Willen zum Guten, bei Hitchcock.
  • Glaube, Idealismus, Verzweiflung und Zeit, Erinnerung, Heimweh in einer unwirtlichen, von Technik zerstörten Welt bei Tarkowskij.
  • die Ironisierung von Kategorisierungssystemen, außerdem Farben und Lichtgestaltung bei Greenaway, diesen Moment werde ich nie vergessen (Kamera hier: Reinier van Brummelen, früher meist Sacha Vierny).

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Fazit:

Was war das für ein Filmjahr? Schwer zu sagen. Ein sehr vielseitiges und lehrreiches für mich, da ich wieder viel über Film gelernt habe. Als starkes Jahr empfinde ich es aber nicht. Zwei, drei Filme könnten es irgendwann in meine Lieblingsfilmliste schaffen, aber wahrscheinlich keiner, der 2013 in die Kinos kam. Aber es war ein sehr schönes Blogjahr. Ich habe meinen Rhythmus hier endgültig gefunden und der Austausch mit anderen macht Spaß.

Pläne:

Habe ich bis auf einige Werkschauen (Tarr, Peckinpah, Cassavetes) und Serien keine konkreten. Es könnte sogar sein, dass ich 2014 weniger Filme sehe, da ich wieder mehr lesen möchte und wenn dafür manchmal die abendliche Filmzeit draufgeht, dann ist das auch in Ordnung. Was ich mir aber vornehme: Früher mit dem Jahresrückblick anzufangen, mir während des Jahres schon Notizen zu machen. Denn das ist sonst immer so ein gewaltiger Kraft- und Erinnerungsakt!

Media Monday #51

1. Das Duo aus RegisseurIn Steve McQueen und DarstellerIn Michael Fassbender finde ich perfekt. Beide erreichten durch den anderen ihr volles Potenzial. Sie haben sich gesucht und gefunden und gehen hoffentlich nie wieder auseinander.

2. Südstaaten-Krimis in Filmform finde ich schon reizvoll, zumindest diese schwüle, geheimnisträchtige Stimmung. Das rührt vielleicht noch von meiner Anne-Rice- und John-Grisham-Phase als Teenager her.

3. Ein Lese- und Seriensonntag im Bett lässt sich mit nichts vergleichen, weil es nichts Gemütlicheres, Eskapistischeres gibt.

4. Ich fände es interessant, wenn in Interviews auch mal gefragt würde, was der Befragte von diesen ständigen Interviews eigentlich hält. Leider sind die meisten Interviews ja eher überflüssig, da sie weder aufschlussreiche Aussagen noch Unterhaltungswert hervorbringen. Ich sehe mir auch nur noch selten welche an, wenn mal wieder eins durchs Internet geistert etwa. Selbst wenn ein interessanter Regisseur befragt wird, lese ich das nur selten, weil zu oft nur Anekdoten erzählt werden. Ein Interview sollte entweder eine unterhaltsame Show sein oder mir etwas von Welt- und Kunstverständnis des Befragten mitteilen.

5. Ich mag eine beeindruckende Kameraführung, weil sie die Kunstfertigkeit des Mediums Film verdeutlicht. Dafür sind nicht unbedingt elaborierte Plansequenzen oder dergleichen nötig (obwohl ich diese ja besonders mag), eine prägnant gesetzte Kadrierung kann auch schon beeindrucken.

6. Statt Rezensionen/Kritiken wäre es toll, wenn es auf Film-Blogs u. ä. viel mehr Specials gäbe wie etwa Vorstellungen von weniger bekannten filmrelevanten Dingen, Werken oder Personen. Es werden leider flächendeckend überall dieselben Filme besprochen.

7. Mein zuletzt gelesenes Buch war Die versiegelte Zeit von Andrej Tarkowskij und das war etwas irritierend, weil ich nicht ganz so spirituell-religiöse Gedanken erwartet hatte. Tarkowskij geht sehr intuitiv, aber mit absoluter Ernsthaftigkeit und Idealismus ans Filmemachen heran. Für ihn ist der ideale Künstler eine Art Prophet, die Stimme des Volkes, und soll in seiner Kunst Wahrhaftigkeit, die eigene erfahrene Realität, ja, die absolute Wahrheit (die jedoch subjektiv ist) ausdrücken, das Ideal einer Harmonie zwischen Materiellem und Geistigem. Vielleicht schreibe ich darüber aber noch etwas ausführlicher.

von Medienjournal

Filmstöckchen: Filmvorlieben

Filmstöckchen gibt es ja nicht allzu oft, da fange ich das von Sonja geworfene doch gerne auf. Zum Glück habe ich einige der Fragen schon bei meinen 31 Tagen – 31 Filmen beantwortet.

Was ist dein Lieblingsfilm?
Diese vielen, vielen tollen Filme, die ich gesehen habe, auf einen zu reduzieren, finde ich natürlich nicht schön, aber dürfte ich nur einen Film behalten, wäre das immer noch 2001: A Space Odyssey.

Wieso ist das dein Lieblingsfilm?
Weil er wunderschön ist, völlig eigentümlich, durch und durch Film, allumfassende Themen behandelt, intellektuell, aber trotzdem seltsam berührend ist und weil man damit nie zu einem Ende gelangen kann. Seine Bedeutung ist niemals vollständig festzuhalten. Er bleibt eine Herausforderung.

Was war(en) deine Lieblingsfilm(e) als Kind?
Schwierig, ich weiß nicht mehr so genau. Von den Disney-Zeichentrickfilmen mochte ich am liebsten Aristocats und Die Schöne und das Biest (vor allem wegen diesen lebenden Gegenständen – Herr von Unruh!). Außerdem Bernard und Bianca und Feivel, der Mauswanderer (ich hatte was für Mäuse übrig). Ein Schweinchen namens Babe ist immer noch ein Kultfilm in unserer Familie. Und dann erinnere ich mich, dass ich bei der Lieblingsfilmfrage in einem Freundschaftsbuch mal Hexen aus der Vorstadt nannte. Ich weiß nur noch den Titel, sonst nichts, es ist wohl ein tschechischer Film von 1990. Ronja Räubertochter war aber auch wichtig, und Michel.

Wer ist dein(e) Lieblingsregisseur(in)?
Ich finde einfach, dass Stanley Kubrick die herausragendsten Filme gemacht hat. Schöner wäre es noch, wenn ich mich auch emotional mit ihnen identifizieren könnte, aber eine Virginia Woolf der Filmwelt habe ich noch nicht gefunden und so schlimm ist das auch gar nicht.

Wieso ist das dein(e) Lieblingsregisseure(in)?
Weil er sich so vieler Genres annahm, sie völlig seinem Stil unterwarf, bis zur Perfektion trieb und doch auch transzendierte, indem er seine Filme als fast schon philosophische Diskurse gestaltete. Er hat unvergessliche, visuelle Meilensteine gesetzt und gezeigt, was Film alles sein kann.

Hattest du schon vorher eine(n) Lieblingsregisseur(in)?
Als ich noch jung und unerfahren war, hatte ich immer mal wechselnde Regisseur-Phasen. Ich erinnere mich an eine Lars-von-Trier-Phase und eine Federico-Fellini-Phase, aber das ist schon um die 10 Jahre her. Von Tim Burton war ich auch schon früh lang anhaltend Fan, und natürlich habe ich auf jeden weiteren Film von Sam Mendes hingefiebert.

Warum ist das nicht mehr dein(e) Lieblingsregisseur(in)?
Sam Mendes ist immer noch einer meiner Favoriten, von Trier auch, mit Fellini müsste ich mich noch mal befassen, aber gegen Kubrick kommen halt alle nicht an. Und Tim Burton ist ja schlecht geworden, außerdem nehme ich ihn eher als Weltenerschaffer denn Regisseur wahr.

Wer ist dein(e) Lieblingsschauspieler(in)?
Im Moment: Joaquin Phoenix und Kate Winslet. Die absoluten Favoriten wechseln sich hier aber immer mal ab. Ich sehe schon wieder eine Fassbender-Phase am Horizont.

Wer oder was ist deine liebste Filmfigur?
Da konnte ich mich schon hier so gar nicht festlegen. HAL 9000?

Auf welche(n) kommende(n) Filme freust du dich am meisten?
Macbeth mit Fassy! Und Filme, die bereits abgedreht sind: Only Lovers Left Alive von Jim Jarmusch, weil ich mir immer noch endlich mal einen vernünftigen, ernst zu nehmenden Vampirfilm erhoffe und weil Tilda Swinton und Tom Hiddleston schon mal großartig aussehen, und 12 Years a Slave von Steve McQueen, obwohl ich noch gar nicht weiß, worum es überhaupt geht, aber bereits seine ersten beiden Filme haben mich sehr beeindruckt.

Wenn du das Geld und/oder die Möglichkeiten hättest, über was oder wen würdest du einen Film drehen oder was möchtest du generell mal verfilmt sehen?
Paradise Lost von John Milton im Look eines John-Martin-Gemäldes. Das kann ich aber nicht selber, das muss jemand anderes machen. Darren Aronofsky würde ich das eventuell zutrauen oder vielleicht einem der brutalen Südkoreaner.

Hm, ich werfe Stöckchen immer nicht gerne an konkrete Personen weiter, weil ich niemandem diese Last aufladen will. Interessieren würden mich die Antworten aber bei Yolanda Puschkin und Sebastian Nebel. Aber nur, wenn ihr Lust habt!

Media Monday #37

1. Heath Ledger gefiel mir – abgesehen von The Dark Knight – am besten in Brokeback Mountain – um genau zu sein gefiel er mir darin sogar besser.

2. Danny Boyle hat mit Sunshine seine beste Regiearbeit abgelegt, weil es ein wunderschöner, großer, spannender, bewegender Film ist, der von Selbstaufopferung erzählt. Zum Schluss gerät er etwas auf die falsche Fährte, aber das trübte den Gesamteindruck für mich nicht. An dem scheiden sich jedoch so sehr die Geister wie an The Fountain, den ich ja auch sehr liebe. Philosophische Science-Fiction-Filme sind halt mein Ding. Allerdings muss ich endlich mal wieder Trainspotting sehen, an den ich mich kaum erinnere.

3. Cameron Diaz gefiel mir am besten in Gangs of New York vielleicht, aber eigentlich kann ich ihr generell nichts abgewinnen.

4. Hätte ich die Möglichkeit, einen Film zu drehen, würde ich auf alle Fälle folgende SchauspielerInnen verpflichten (und sei es nur, um sie einmal kennenzulernen):
Hier ist man versucht, einfach seine LieblingsschauspielerInnen aufzulisten, aber dabei sollte schon bedacht werden, dass sie vielleicht gar nicht unbedingt harmonieren würden. Ich weiß nicht, was das für ein Film sein könnte, in dem Joaquin Phoenix, Michael Fassbender und Ben Foster gleichermaßen brillieren würden. Und dann noch Kate Winslet, Judi Dench, Tilda Swinton, Cate Blanchett und Amy Adams dazu? Und was für eine Rolle sollte Kevin Spacey in dem Reigen spielen? Ach nein, ich glaube, Castingentscheidungen überlasse ich lieber anderen und rege mich dann lediglich darüber auf. In der Regel kommt ja auch erst das Projekt, die Rolle, dann der Schauspieler. Allerdings würde ich sehr, sehr gerne mal Nina Hoss und André Hennicke in einer großen internationalen Produktion unter einem Meisterregisseur sehen. Das wäre wundervoll. Kennenlernen muss ich jedoch keinen von denen. Das würde womöglich nur meine Vorstellung zerstören.

5. Wenn es ein Genre gibt, dem ich rein gar nichts abgewinnen kann, dann ist es das eine Pauschalisierung!

6. Spoiler in Trailern sollten nicht sein, allerdings finde ich Trailer, die nur Stimmungsbilder aneinanderreihen, auch etwas sinnlos.

7. Mein zuletzt gesehener Film war Suspicion und der war okay, weil mich einerseits diese Ausgangssituation etwas nervte, dass sie ihn sofort heiratet und sich hinterher wundert, dass er so ein Hallodri ist. Aber dieser titelgebende Verdacht wird schon mustergültig entwickelt. Und dann leuchtet die Milch auch noch.

von Medienjournal

Monatsrückblick 03/2013

Im März habe ich nicht so viel gesehen, oft hatte ich einfach keine Lust auf einen Film. Und dann brauchte ich zwischenduch eine kurze Pause von Hitchcock, der ja doch in einem sehr engen Themenrahmen erzählt. Ich verliere schon langsam den Überblick und kann die Filme kaum noch auseinanderhalten.

  • gesehene Filme: 16
  • im Kino: 3
  • Erstsichtungen: 14

TheManWhoKnewTooMuchSnap

Am besten gefallen haben mir:

  • The Man Who Knew Too Much (Der Mann, der zuviel wußte – Alfred Hitchcock, 1934): Waltzes from Vienna habe ich nicht gesehen, aber der Sprung von den früheren Filmen hierzu erschien mir gewaltig. Der erste Film, der sich vollkommen nach Hitchcock anfühlt, viel komplexer, größer, runder, und mit einem wohl vorbereiteten Set Piece. Auch die drei Filme danach, The 39 Steps, Secret Agent und Sabotage, fand ich gut gemacht, in der Hervorhebung möchte ich mich dennoch immer nur auf wenige besonders einprägsame beschränken. Übrigens mag ich sehr, wie Hitchcock Gegenstände instrumentalisiert, dramatisiert, psychologisiert.
  • Blue Velvet (David Lynch, 1986)
  • Harold and Maude (Hal Ashby, 1971): Eigentlich ein Wiedersehensfreudefilm, aber ich habe nur ein paar Worte dazu zu sagen: Wahrscheinlich habe ich ihn als Teenager zuletzt gesehen, und obwohl ich ihn immer noch sehr süß und einfallsreich finde, sind mir Charaktere dieser Art heute einfach etwas zu künstlich, zu konstruiert. Ich bin echt alt geworden. Ich frage mich, wie er gewirkt hätte, wenn ich ihn heute zum ersten Mal gesehen hätte. Aber das werde ich ja nun nie erfahren.
  • Take This Waltz (Sarah Polley, 2011)
  • Die Nibelungen: Kriemhilds Rache (Fritz Lang, 1924): Eigentlich quält man sich schon ein bisschen durch diesen Film und die dramatischen Blicke. Andererseits hat er aber, wie der erste Teil, tolle, stimmungsvolle Sets und Kostüme, die die Schauspieler in Geometrien bannen. Der erste Teil erzählt mir zu plump die Stationen ab, der zweite interessiert sich etwas mehr für die Figuren. Außerdem spielte für uns ein Live-Orchester dazu, was ein sehr intensives Erlebnis war. Trotzdem ist diese Geschichte, die große deutsche Sage, doch ein wenig öde (ich Banause!).
  • Towelhead (Nothing is Private – Alan Ball, 2007): Ein schöner kleiner Film über das Finden der sexuellen Selbstbestimmung einer 13-Jährigen. Aber für einen Film von Alan Ball war ich viel, viel, viel zu wenig getroffen. Außerdem kopiert er sich selbst.
  • Work Hard – Play Hard (Carmen Losmann, 2012): Wie da über Effiziens- und dadurch natürlich Gewinnsteigerung in großen, glasigen Büroflächen geredet wird, während der Mitarbeiter doch nur wie ein Rädchen im perfekt polierten Getriebe wirkt, ist dermaßen gruselig. Vielleicht ist die Sprache das Schlimmste, diese Anglizismen und Euphemismen, die verschleiern statt zu präzisieren. Ein bisschen schade ist aber, dass man nicht erfährt, ob diese Umfelder, Teamtrainings und Arbeitsatmosphären denn wirklich besser und angenehmer arbeiten lassen.
  • The Lady Vanishes (Eine Dame verschwindet – Alfred Hitchcock, 1938): Sicher nicht der technisch und inhaltlich interessanteste Hitchcock, und die Einleitung ist seltsam lang, aber den kammerspielartigen Charakter im Zug mag ich sehr, außerdem war ich vorzüglich unterhalten, vielleicht sogar besser als bei allen anderen Hitchs bisher.

BlueVelvetSnap

Zwischen Gefallen und Enttäuschung:

  • Wuthering Heights (Andrea Arnold, 2011)
  • The Master (Paul Thomas Anderson, 2012): Joaquin Phoenix trägt den Film nicht, er prägt ihn, gibt ihm durch sein verzerrtes Gesicht Textur, durch seine Haltung, seine unberechenbaren Ausbrüche Raum. Das ist ein Spiel, das sehr körperlich ist, sehr nach außen, ein Spiel, das ich für kaum vergleichbar halte. Der Film selbst ist meiner Wahrnehmung nach Psychoanalyse, sonst aber nichts weiter. Ein verschleiertes Meisterwerk? Ich glaube nicht. Eine schöne Zusammenfassung von möglichen Herangehensweisen an den Film liefert Jim Emerson.

Seltsam war:

  • Les herbes folles (Vorsicht Sehnsucht – Alain Renais, 2009): Eine Variation zur romantischen Komödie? Vielleicht, ich weiß nicht so recht.

Serie:

  • Deadwood – Staffel 1 (David Milch, 2004): Eigentlich habe ich die erste Staffel schon im Januar gesehen, jetzt aber erst mit der zweiten begonnen und dann beschlossen, abzubrechen. Die Grundkonstellation der Serie gefällt mir zwar sehr gut, diese vielen völlig unterschiedlichen Charaktere, die eine Zweckgemeinschaft ohne Gesetz bilden müssen. Die Handlung beschränkt sich dabei fast vollständig auf das Städtchen. Weite Landschaften, Schießereien und sonstige Western-Ingredienzen fehlen größtenteils. Es geht weniger um Glückssuche denn um Geschäft und Überleben. Ein Menschenleben zählt da wenig – wenn Mord auch immer nach gewissen Regeln erfolgt. Die Hauptfigur ist eigentlich ein herrlich ekelhafter, toll gespielter Macho-Fiesling, sein Gegenpart leider schauderhaft hölzern von Timothy Olyphant verkörpert. Konfliktpotenzial ist eigentlich reichlich vorhanden, schwelt jedoch nur vor sich hin ohne interessante Entwicklungen hervorzubringen. Es hat mich leider einfach nicht genug gepackt, um weiter so viel Zeit zu investieren.

deadwood3.1

Fazit: Das war ja kein toller Monat. Etwas (für mich) wirklich Großartiges habe ich nicht gesehen, allerdings auch nichts völlig Enttäuschendes. Dennoch haben mich leider zwei Wiedersehensfreudefilme nicht mehr so überzeugt, im Kino ist auch eher Flaute, ich habe eine Psycho-Vorführung verpasst, eine Serie abgebrochen und Hitchcock geht mir mit seinen ewigen Spionen langsam ein klein wenig auf die Nerven. Immerhin: Joaquin Phoenix ist zurück! Nein, natürlich war er nie weg. Aber ein bisschen stolz bin ich schon, dass ich schon vor 13 Jahren wusste, dass man diesen Schauspieler beobachten sollte. Er ist großartig!