Quentin Tarantino

Filmstöckchen: 10 Fragen

Die Stöckchen fliegen wieder und als ich schon dachte, ich bliebe diesmal unbeachtet, traf es mich doch noch – von den Schreiberlingen hinter CineCouch. Dankeschön! Treue Leser werden sich wahrscheinlich langsam gelangweilt fühlen von manchen Antworten, aber sie sind einfach die besten, die mir einfallen.

1. Ihr seid auf einer einsamen Insel gestrandet. Welche zwei Filmkumpanen hättet ihr am liebsten an eurer Seite und warum?
2001: A Space Odyssey und C’era una volta il West, weil es meine Lieblingsfilme sind, man immer wieder Neues darin entdecken kann und so eine einsame Insel genug Zeit bietet, um noch mal in aller Ruhe darüber nachzudenken. Aber: Wo kriege ich da eigentlich den Strom her? Und das Heimkino?

2. Ihr seid in der glücklichen Lage, zum Vorgesetzten der Oscar verleihenden Instanz AMPAS ernannt worden zu sein. Als neuer Chef dürft ihr einem vergangenen Film im Nachhinein den ach so verdienten Oscar verleihen. Auf welchen fällt eure Wahl?
Den ultimativen Film natürlich, 2001: A Space Odyssey. Obwohl, nötig hat er es ja nicht. Dann würde ich vielleicht das Übel gegen Hitchcock gutmachen und Rear Window auszeichnen. Oder den die meisten Filme der letzten Jahre überragenden The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford. Gute Filme können aber auch ganz ohne Filmpreise einen verdienten Klassikerstatus erreichen. Gerade bei Jesse James habe ich das Gefühle, dass ihm das langsam gelingt, obwohl er damals nicht viel Aufsehen erregte.

3. Welchen drei Filmen würdest du nicht hinterher weinen, sollten sie verloren gehen – weil du schon genug Tränen der Schmerzen vergossen hast, während du sie sehen musstest?
Sind damit Filme aus meiner Sammlung gemeint? Wenn ja: Also, Pulp Fiction würde ich nicht hinterherweinen, allerdings muss ich einen Film, bei dem ich gar Tränen der Schmerzen vergieße, erst noch sehen. Das schaffen nicht mal Tarantino oder Pasolini.

4. Dass Bücher verfilmt werden, ist ja nichts neues. Hältst du den neueren Trend, gewisse Bücher in mehrere Filme zu splitten, für eine gute Idee oder pure Geldmacherei?
Für die Studios ist der Antrieb dahinter sicherlich schon, mehr Einnahmen rauszuschlagen. Aus rein künstlerischen Gründen würden sie es wohl kaum fördern. Bei den meisten Projekten, die eine solche Aufteilung erfahren, ist zugegebenermaßen auch eher fragwürdig, ob die Geschichte tatsächlich so viel Erzählzeit nötig hat. Pauschal ablehnen kann ich die Idee aber nicht, da bei einer überzeugenden künstlerischen Vision ja prinzipiell alles gelingen kann.

5. Von welchem fiktionalen Werk (Buch/Comic/Videospiel/…) wünschst du dir eine Filmadaption?
Paradise Lost von John Milton. Drehbuch bitte von Daniel Knauf, Regie von Darren Aronofsky. Ansonsten ist es durchaus mal wieder Zeit für eine neue Hamlet-Verfilmung, würde ich Arkham Asylum von Grant Morrison und Dave McKean gerne irgendwie filmisch umgesetzt sehen und freue mich auf Neil Gaimans The Sandman in bewegten Bildern (sofern er denn tatsächlich kommt – ich bin für eine Serie!). Komisch, ich mag Fantasy wohl doch – aber nur düster und episch!

6. Welches Genre braucht dringend ein Revival und warum?
Originelles, komplexes, düsteres Neo-Noir, weil viele Bemühungen in dieser Richtung heutzutage irgendwie nicht gelingen, und da es ein Genre ist, das wunderbar das Persönliche mit dem Sozialen vereint.

7. Biopics sind die letzten Jahre ganz schön “in”. Wenn du dein Leben verfilmen lassen könntest, welcher Regisseur wäre deine erste Wahl für diese ehrenvolle Aufgabe und wer dürfte sogar dich selbst verkörpern?
Nachdem mir Inside Llewyn Davis noch so präsent ist, würde ich ja fast sagen: die Coens. So lustig absurd ist mein Leben aber leider nicht. Ansonsten vielleicht Sam Mendes, weil er sogar zwei meiner Lebensphasen so treffend begleitet hat. Oder Jane Campion, weil sie die Meisterin von stiller Leidenschaft und Schmerz ist. Oder Ang Lee, der Regisseur der Sehnsucht. Wer mich dabei verkörpern könnte, ist eine noch schwierigere Frage. Ich würde ja gerne sagen: Jennifer Lawrence, Kate Winslet und Judi Dench, realistischer ist aber Elisabeth Moss, vielleicht auch Mia Wasikowska oder Anna Paquin. Aber die haben ja doch alle tausendmal mehr Ausstrahlung als ich. Und überhaupt muss da erst noch einiges passieren in meinem Leben, damit es erzählenswert wird. Da es aber kein Leben gibt, das erzählenswerter ist als das andere, sehe ich keinen Grund, warum man mein Leben nicht verfilmen sollte. Ich glaube, daraus kann der eine oder andere sogar tatsächlich etwas lernen. Ich habe ja auch schon viel gelernt über die Zeit hinweg.

Edit: Diese Frage ging mir, ehrlich gesagt, in den letzten Tagen nicht aus dem Kopf. Ich möchte so gerne die perfekte Antwort finden, genau die Personen, die mich am besten repräsentieren würden. Und ich glaube mittlerweile, dass das bei den Regisseur_innen doch eher Sarah Polley, Kelly Reichardt oder Joachim Trier wären. Das Drehbuch müsste eigentlich fast zwangsläufig Alan Ball schreiben. Mit den Schauspielerinnen bin ich auch noch nicht vollkommen zufrieden. Ich werde das noch eine Weile mit mir herumtragen, vielleicht fällt mir das ideale Gesicht noch spontan ein oder auf.

8. Was wäre so ein Leben ohne die Liebe. Hach ja. Mit welchem Film geht das erste Date garantiert nicht schief?
Wenn ein Date am ausgewählten Film scheitert, war es das wahrscheinlich sowieso nicht wert. Entscheidender ist dann schon eher die Reaktion nach dem Film. Ich würde aber sowieso nicht unbedingt ins Kino gehen beim ersten Date, da bin ich viel zu anspruchsvoll und mäkelig. Mal angenommen, er will in der letzten Reihe sitzen – dann ist doch schon der ganze Abend versaut.

9. Ich weine ja gerne mal ein bisschen bei Filmen, sobald sie eine gewisse emotionale Tiefe erreichen. Bei welchem Film kannst du dir die Tränen nicht verkneifen?
Das schlimmste Wrack macht immer noch The Hours aus mir, aber da gibt es schon auch noch andere Kandidaten.

10. Nach welcher Film-/Comicfigur würdest du dich am liebsten benennen und warum?
Hm, was bringt mir das denn? „Lena Leuchtturm“ ist doch schon ein ziemlich perfektes Pseudonym.

Da ich finde, dass der Media Monday regelmäßig bereits genug Stoff für Stöckchenliebhaber bietet, gebe ich dieses nicht weiter und lasse lieber den Wulf jeden Montag die Arbeit erledigen. Hehe.

Die Wahrheit über Quentin Tarantino

So ganz in Worte fassen konnte ich eigentlich nie, warum ich Quentin Tarantino so verabscheue. Nun hat es jemand anderes für mich getan. Danke, Nick Broomfield, für diese absolut treffende Einsicht:

It’s like watching a schoolboy’s fantasy of violence and sex, which normally Quentin Tarantino would be wanking alone to in his bedroom while his mother is making his baked beans downstairs. Only this time he’s got Harvey Weinstein behind him and it’s on at a million screens.

Hier gefunden.

31 Tage – 31 Filme: Tag 3

Tag 3 – Nenne deinen Hassfilm.

Es fällt mir ein bisschen schwer, für einen Film wirklich Hass zu empfinden (bei einem bestimmten Genre ist das hingegen leichter), aber es gibt natürlich unzählige Filme, die ich so gar nicht mag. Da wären diese unsäglichen RomComs mit ihren dämlichen Frauenfiguren, deren Witz nur aus Tollpatschigkeit besteht, utopische Liebesschnulzen, peinliche Pubertäts- und besoffene Männerfilme, Fantasy-Action-Kracher mit hirnrissiger Story und ebensolchen Dialogen und das meiste von Quentin Tarantino. Aber über einen dieser Filme zu schreiben ist verschwendete Zeit und die Auswahl würde schwerfallen.

Daher wende ich mich einem sicherlich vollkommen zu Recht als wichtig und großartig bezeichneten Regisseur zu, dessen Filme ich aber nur schwer ertragen kann: Pier Paolo Pasolini. Ich finde, man muss nicht jeden Klassiker mögen und kann auch manche aus vollem Herzen und am Verstand vorbei verabscheuen. Viele seiner Filme kenne ich nicht, das gebe ich zu, aber mir reicht schon das, was ich kenne. Die neorealistischen Sachen gehen ja noch, auch wenn das ebenfalls so gar nicht meine Strömung ist, aber so Filme wie Medea mit ihrem aufgeblasenen verschwurbelt-mythologischen Geschwafel und ihren überaus langweiligen Zusammenstößen in karger Berglandschaft mögen ja große Kunst sein, sind mir aber viel zu kryptisch, zäh, trocken, und auch filmästhetisch packt mich das nicht.

Salò o le 120 giornate di Sodoma (Die 120 Tage von Sodom) war allerdings eine interessante, auch verstörende Erfahrung. Nichts, was ich jedem empfehlen würde, aber ich setze mich Derartigem hin und wieder gerne aus, um meine persönlichen und menschlichen Grenzen in Erfahrung zu bringen.

Media Monday #8

1. Der beste Film mit Robert De Niro ist für mich eines der unzähligen Meisterwerke, in denen er gespielt hat. Was für eine Filmographie! Schweren Herzens beschränke ich mich mal auf Taxi Driver und Brazil. Dennoch muss ich gestehen, dass mich De Niro selbst nie zu beeindrucken wusste. Selbstverständlich spielt er seine Rollen stets souverän, aber persönlich fehlt mir da eine bestimmte emotionale Intensität – ebenso wie bei Al Pacino übrigens. Außerdem kann ich mich für Mafia- und Gangsterfilme weniger erwärmen.

2. Robert Rodriguez hat mit Sin City seine beste Regiearbeit abgelegt, weil der wenigstens sehr schön anzusehen ist, doch im Großen und Ganzen sind mir seine Filme völlig fremd, und ich verachte ihn schon allein wegen seiner Zusammenarbeit mit Quentin Tarantino, den ich aus tiefstem Herzen verabscheue.

3. Der beste Film mit Julianne Moore ist für mich The Hours mit großem Ausrufezeichen. Irgendwann werde ich sicher mal beschreiben, was mir dieser Film bedeutet, wie er mich mit meiner literarischen Seelenverwandten zusammenbrachte, wie er meinem einsamen Seelchen ein Zuhause gab. Es ist ein Film, dessen einzigartige Atmosphäre viel zu wenig geschätzt wird. Außerdem mag ich Julianne Moores reservierte Verletzlichkeit generell sehr gerne, und neben The Hours besonders Magnolia und Children of Men.

4. Leider wird es üblicherweise sehr oberflächlich und bestenfalls unterhaltsam eingesetzt, das Motiv der Zeitreisen. Doch da geht sicher noch einiges.

5. Am Donnerstag startet die Kinoadaption von 21 Jump Street, der Serie mit der Johnny Depp seine Karriere begründet hat. Wie ist eure Meinung zu dem Remake? Toll, überflüssig oder einfach nur egal?
Ein bisschen ärgere ich mich schon, dass die Idee der Serie zu Klamauk umgeformt wurde, aber, obwohl ich die Serie als Teenager schon ein wenig verfolgt habe, ein wirkliches Glanzstück war sie doch auch nicht, oder? Also bleibe ich einigermaßen gleichgültig, schließlich ist es nur ein Fall von Benutzung eines bekannten Namens rein zu Werbezwecken.

6. Die beste Krimi-Serie ist die, die den üblichen Pfad des eintönigen und daher reizlosen Krimi-Plots verlässt. Twin Peaks wird es wohl sein. Auch hat Sherlock interessante Aspekte, dürfte sich aber auf Dauer totlaufen (wobei ich bisher nur die erste Staffel gesehen habe). Auf The Wire habe ich allerdings noch große Hoffnungen (doch ist das klassischer Krimi?).

7. Mein zuletzt gesehener Film war Aliens und der war so als Action-Horror-Film einwandfrei und spannend, dennoch enttäuschend, weil er diesem Universum immer noch keine Tiefe und Komplexität verleiht, sehr einfach gestrickt ist und logische Mängel aufweist.

von Medienjournal