Zack Snyder

Sonstige Filme im April

  • Zwei Leben (Georg Maas, 2012): Eine erstaunlich spannende und involvierende Geschichtsstunde in Form eines Thrillers. Ich weiß nicht, ob die Entscheidungen der Stasi-Agentin nicht etwas zu sehr gerechtfertigt werden, aber da kenne ich mich nicht so aus.

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  • Prisoners (Denis Villeneuve, 2013): Ein in fast allen Belangen überzeugender, eigener, sehr dichter Film, der allein durch seine Atmosphäre und die durchdachte Kameraarbeit von Roger Deakins eine eigene, düstere Welt erschafft, in der die Grundsätze des Rechtssystems neu verhandelt werden. Neben der abwägenden, aber nicht rechtfertigenden Befragung von elementarer Moral, Gerechtigkeit und Menschlichkeit und der clever gestrickten Auflösung des Rätsels, hat mir besonders gut gefallen, dass der Cop nicht durch eine gescheiterte private Existenz erklärt wird, sondern seine Charakterisierung nur durch sein Wesen im Beruf geschieht. Eine außergewöhnlich ausgewogene Mischung aus Thrillerplot, privatem, aber allgemeingültigem Drama und Atmosphäre.
  • Albert Nobbs (Rodrigo García, 2011): Ein herzzerreißender Film über einen besonderen Mann, den Glenn Close unheimlich steif, aber trotzdem warmherzig und gefühlvoll spielt. Er verrät wenig von sich, dennoch kennt man ihn nach dem Film sehr genau, seine Verwundungen und Naivität, seine Ängste und Träume. Ein sehr menschlicher, Toleranz fördernder Film, ganz ohne Zeigefinger. Aber von Rodrigo García (der für In Treatment verantwortlich ist, aber auch einige Folgen von Carnivàle und Six Feet Under und den schönen Mother and Child inszenierte) habe ich gar nichts anderes erwartet. Außerdem ist Mia Wasikowska ein wirklich bezauberndes Geschöpf.

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  • Short Term 12 (Destin Cretton, 2013): Ein berührender, intimer Film, der aber schon sehr bewusst auf die Tränendrüse drückt und die schrecklichen Momente gekonnt mit harmonischen aufwiegt. Dennoch habe ich den Eindruck, einen Einblick in eine eigene Welt und neue Seelen erhalten zu haben. Brie Larson spielt das wirklich fantastisch authentisch.
  • Snowpiercer (Bong Joon-ho, 2013): Die Idee mit der gesamten Gesellschaft innerhalb eines Zugs ist ja ganz nett und mit den verschiedenen Themenwagen auch hübsch umgesetzt (allerdings längst nicht vollständig durchdacht), daneben hatte der Film mir als Actionfilm um einen Systemsturz aber nicht viel zu bieten. Die Figuren scheinen aus verschiedenen Genres zusammengewürfelt, sie sind formelhaft und ihr Schicksal ist stets abzusehen. Und dann war ich sehr enttäuscht, dass der Film sich schließlich doch wieder davor drückt, eine alternative Gesellschaftsordnung vorzustellen und lieber den leichten Ausweg aus der Situation wählt. Auch das Gerede um den schicksalhaften Platz in der Hackordnung wird so nicht demontiert. Oder soll das heißen, dass Veränderung innerhalb des Systems gar nicht möglich ist? Ja, wenn Aussteigen nur so einfach wäre …

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  • Man of Steel (Zack Snyder, 2013): Ein anstrengender Film, der mich im Kino wahrscheinlich auf unangenehme Weise völlig erschöpft hätte. Die unreflektierte Zerstörungsorgie ist im Plot gerechtfertigt, aber wahrlich erschreckend. Dabei ist der erste Teil so eine angenehm private Identitätskrise. Und ich mochte den generellen Ton und die manchmal recht kitschige Visualität recht gerne. Manche Kämpfe sind tatsächlich aufregend und Henry Cavill ist ein sehr gütiger Superman, der die Rolle gut füllt und mit der wie immer bezaubernden Amy Adams harmoniert. Irgendwo in diesem etwas holprigen, überladenen Schlamassel steckt also ein schöner, kompakter, bewegender, neuartiger Superman-Film. Und immerhin macht in diesem Universum Batman tatsächlich Sinn. Jetzt bin ich zum ersten Mal richtig gespannt auf das große Aufeinandertreffen.
  • Metallica Through the Never (Nimród Antal, 2013): Da mich die Musik von Metallica größtenteils nicht so anspricht, war der Konzertteil für mich vollkommen verschenkt. Er hat mir nicht mal den Reiz der Band nahegebracht. Der apokalyptische, surreale Subplot ist hübsch gemacht, aber auch eher sinnlos, allerdings enthält er nun mal einen obercoolen Dane DeHaan in Lederjacke. Da muss man den Rest in Kauf nehmen.

Wiedersehensfreude: Casshern (Kazuaki Kiriya, 2004)

Seit Jahren schon plädiere ich (zumindest insgeheim) für einen filmischeren Film. Einen Film, der seine ihm gegebenen ganz eigenen visuellen, räumlichen, zeitlichen Mittel tatsächlich ausreizt, um eine Erfahrung zu schaffen, die über eine bloße Erzählung hinausreicht, die nur mit dem Medium Film zu machen ist. Ich will einen Film, der nicht einfach nur eine Geschichte erzählt, der mit Worten gar nicht zu erfassen ist, der narrativ Raum und Zeit transzendiert, für den die Realität nicht mehr selbstverständlich ist, der abstrakt ist (ein bisschen absolut) und gerade dadurch in der Lage, auf neue Art nach Wahrheiten zu tasten, aber doch so konkret, dass er sich nicht in der Oberfläche verliert. Und mit der zeitgenössischen Technik ist das doch endlich möglich – sich von der Tyrannei der Realität zu lösen, alle Parameter zu manipulieren, Bilder und Aussagen zu machen, die es nur im Kino geben kann. Aber so wenige Regisseure tun das: Wong Kar-Wai, Darren Aronofsky, Gaspar Noé sind die einzigen, denen ich den Mut zusprechen würde (wen habe ich vergessen?).

Da ich immer noch irgendwie Geisteswissenschaftlerin bin, bin ich es immer noch gewohnt, klügere Menschen als mich zu zitieren, um zu untermauern, deutlich zu machen, was ich meine. Diesmal: Peter Greenaway. Ich stimme ihm zwar nicht vollständig zu (ich habe nichts gegen Literaturverfilmungen – natürlich darf der Film auch das, Film darf auf alle Arten sein, die ihm möglich sind, daher auch Bild gewordener Text), dem Grundgedanken jedoch sehr (Quelle):

So whether your name is Spielberg or Scorsese or Godard, there’s always a necessity to start with text and finish with image. I don’t think that’s particularly where we should organize an autonomous art form. That’s why I think that, in a way, we haven’t seen the cinema yet, all we’ve seen is 100 years of illustrated text.

Yet all cinema is predicated on the notion of being text-driven and not image-driven. There are very, very few films that I can think of that have actually created true cinema. Last Year In Marienbad, perhaps, is about the closest I can feel. It approaches a notion of real, true cinematic intelligence. It is not a slave to text. It is not a slave to narrative. It deconstructs all these phenomena and creates a product which is truly and absolutely cinematic because it cannot exist in any other form. Whereas the majority of cinema can always be explained in other mediums, which is a true indication, I feel, that it hasn’t yet reached that essential autonomy.

Vor Jahren, im Rahmen des Comic-Salons Erlangen 2006, vermeinte ich, einen Film zu sehen, der eben diesen Anspruch umsetzt: Casshern. Ich muss damals mächtig beeindruckt gewesen sein, von dieser Optik, diesen computergenerierten Bildern, die zunehmend geographische und zeitliche Desorientierung schufen. Es ist ein Film, der vor allem eine visuelle Erfahrung sein will, zusammengehalten von großen moralischen Themen um Krieg, Hass, Vergebung. Klingt ja erst mal vielversprechend. Doch nun beim Wiedersehen war ich nur genervt – genervt von diesem völligen Überfluss an bunten, grellen Bildern, den Plattitüden, von dieser aufgeblasenen Selbstgefälligkeit, dem abstrusen Plot, dem Mangel an Mühe, die man sich für Figuren und Geschichte gab. Damals hatte ich so etwas noch nicht gesehen, heute, in Zeiten von Zack Snyder etwa wirkt die Visualität weder überraschend noch überzeugend umgesetzt. Doch wie bei Snyder ist die Optik auch hier fast reiner Selbstzweck, der Film ist eigentlich nur Oberfläche, noch dazu eine vollkommen überfrachtete. Es ist mir wirklich schleierhaft, wie ich diese 142 Minuten damals im Kinosessel ausgehalten habe bei diesem zähen Overkill an billiger Künstlichkeit.

Nein, so soll der zeitgenössische abstrakte Film auch nicht sein, auch wenn Casshern sicherlich in kein anderes Medium übersetzbar ist und ich nichts wirklich Vergleichbares kenne. Bedeutung ist mir letztendlich doch immer noch am wichtigsten. Ich bin richtig froh, dass ich nicht mehr an der Illusion Casshern festhalten muss, nicht mehr einen schon immer schlechten Film als Vorzeigeprodukt nennen muss. Denn dafür war das Projekt Wiedersehensfreude natürlich auch gedacht: um alten, längst nicht mehr gültigen Filmballast abzuschütteln.

Media Monday #1

Mein erster Media Monday, ich bin ganz aufgeregt (obwohl ich doch schon einige Zeit den Freitags-Füller fülle).

1. Der beste Film mit Ryan Phillippe ist für mich Gosford Park oder Flags of Our Fathers (dabei wusste ich nicht mal mehr, dass der in denen mitgespielt hat).

2. Zack Snyder hat mit Watchmen seine beste Regiearbeit abgelegt, weil er doch immerhin teilweise sehr schöne Bilder und eine hoffnungslose Atmosphäre für diese große, unzerstörbare Vorlage gefunden hat.

3. Der beste Film mit Amber Heard ist für mich Alpha Dog, weil es scheinbar der einzige ist, den ich gesehen habe – aber schlecht fand ich ihn auch nicht.

4. Gibt es Film- oder Fernsehfestivals, die ihr gerne besuchen würdet oder definitiv besuchen werdet?
Ich träume schon von einem der großen drei: Cannes, Berlin, Venedig, doch glaube ich immer weniger daran, dass es mal klappt. Mit wem sollte ich auch gehen? Ich fürchte außerdem, die Menschenmassen würden mir zusetzen.

5. Thema Krimi: Lieber groß angelegter, aufwendig produzierter und eigenständiger Film oder wöchentliche Serie mit in sich abgeschlossenen Fällen?
Das klare, vorhersehbare Schema des Krimis langweilt mich sehr, deswegen sehe ich so etwas nur sehr selten. Da mich aber Episodenserien nicht packen können, würde ich dann im Fall des Falles doch den eigenständigen Film bevorzugen, auch, da hier eventuell noch origineller vorgegangen wird.

6. Stereotype, klischeebeladene Frauenrollen scheinen Frauen erstaunlicherweise besonders gerne zu sehen (siehe RomComs). Ich verstehe nicht, wie man sich so leicht von medialen Vorbildern konditionieren lassen kann. Ob die Frau jedoch jemals so vielseitig und komplex in Filmen repräsentiert sein wird wie der Mann, weiß ich nicht. Dazu muss die Frau wohl erst in der Gesellschaft als Macher selbstverständlich sein.

7. Mein zuletzt gesehener Film war The Conversation und der war atemraubend, weil er mit seiner feinen Spannung unter die Haut geht, eine ausgeklügelte Dramaturgie und eine ebenso feine und exakte Musikbegleitung hat.

von Medienjournal